Wird Pectus Excavatum mit zunehmendem Alter schlimmer?
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Pectus Excavatum (Trichterbrust) wird meist im Kindes- oder Jugendalter diagnostiziert. In vielen Fällen stabilisiert sich die Form des Brustkorbs nach Abschluss des Knochenwachstums, in der Regel etwa ab dem 18. Lebensjahr.
Auch wenn sich die Form des Brustkorbs danach oft kaum noch verändert, können die Beschwerden mit zunehmendem Alter deutlicher werden. Viele Menschen, die in ihrer Jugend nur geringe oder gar keine Beschwerden hatten, bemerken erst in ihren 30ern, 40ern oder noch später körperliche Einschränkungen.
Der Unterschied zwischen struktureller Veränderung und Zunahme der Symptome erklärt, warum dies passieren kann.
Strukturelle Veränderungen versus zunehmende Beschwerden
Stabilität des Brustkorbs nach dem Wachstum
Nach Abschluss des Skelettwachstums wird die Brustwand in der Regel steifer. Dadurch bleibt die Tiefe der Einsenkung bei den meisten Betroffenen über viele Jahre relativ stabil.
Sobald das Knochenwachstum abgeschlossen ist, verhärten sich Brustbein und Rippen, sodass sich die Form des Brustkorbs normalerweise nicht mehr wesentlich verändert.
In einigen Fällen kann sich die Einsenkung jedoch auch im Erwachsenenalter noch geringfügig verstärken, insbesondere wenn eine schlechte Körperhaltung, muskuläre Dysbalancen oder Bindegewebsbesonderheiten eine Rolle spielen.
Die Beschwerden können trotzdem zunehmen
Auch wenn sich die Form der Trichterbrust kaum verändert, können sich die Symptome im Laufe der Zeit verstärken.
Der Grund dafür ist, dass der Körper seine Fähigkeit, den verminderten Platz im Brustkorb auszugleichen, mit zunehmendem Alter teilweise verliert.
Dadurch können Herz und Lunge empfindlicher auf den vorhandenen Druck reagieren, was zu stärkeren Beschwerden und einer verminderten körperlichen Belastbarkeit führen kann.
Warum können die Symptome mit dem Alter zunehmen?
Mehrere physiologische Veränderungen können dazu beitragen, dass Erwachsene mit Pectus Excavatum stärkere Beschwerden entwickeln.
Zunehmende Steifigkeit der Brustwand
Mit zunehmendem Alter verliert die Brustwand an Elastizität.
Bei jüngeren Patienten kann sich das Herz häufig noch leicht nach links verlagern, um dem Druck des eingesunkenen Brustbeins auszuweichen.
Mit den Jahren nimmt diese Flexibilität jedoch ab. Dadurch kann der Druck auf das Herz zunehmen und sowohl die Durchblutung als auch die Herzfunktion beeinflussen.
Höhere Belastung für Herz und Lunge
Pectus Excavatum kann Druck auf die rechten Herzkammern ausüben und dadurch die Pumpleistung des Herzens verringern.
Zusammen mit der natürlichen altersbedingten Abnahme der Herz-Kreislauf-Leistungsfähigkeit können dadurch Beschwerden entstehen wie:
schnelle Ermüdung,
verminderte körperliche Belastbarkeit,
Atemnot bei körperlicher Aktivität,
eingeschränkte Ausdauer.
Veränderungen der Körperhaltung und Muskulatur
Auch Veränderungen der Haltung und der Muskulatur können Einfluss darauf haben, wie stark die Trichterbrust wahrgenommen wird.
Nach vorne fallende Schultern oder eine abgeschwächte Rückenmuskulatur können die Einsenkung optisch verstärken und zusätzliche Beschwerden verursachen.
Häufige Symptome bei Erwachsenen mit Pectus Excavatum
Mit zunehmendem Alter können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:
Atemnot, insbesondere bei körperlicher Belastung,
schnelle Ermüdung und verminderte Belastbarkeit,
Herzklopfen oder Herzrhythmusstörungen,
Brustschmerzen oder ein Druckgefühl im Brustkorb,
Schwindel während körperlicher Anstrengung,
insgesamt geringere Ausdauer.
Die Ausprägung dieser Beschwerden ist individuell sehr unterschiedlich. Während einige Betroffene nur leichte Einschränkungen bemerken, können andere im Alltag deutlich beeinträchtigt sein.
Beschwerden, die erst im Erwachsenenalter auftreten
Klinische Erfahrungen zeigen, dass Pectus Excavatum nicht ausschließlich eine Erkrankung des Kindesalters ist.
Manche Betroffene entwickeln erst im Erwachsenenalter deutliche Symptome.
Studien mit Patienten über 50 Jahren zeigen, dass sich die Beschwerden bei einem erheblichen Teil der Betroffenen erst im vierten oder fünften Lebensjahrzehnt deutlich verschlechterten.
In einigen Fällen werden diese Beschwerden zunächst fälschlicherweise als Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Herzinsuffizienz interpretiert, bevor die eigentliche Ursache – die Trichterbrust – erkannt wird.
Behandlungsmöglichkeiten für Erwachsene
Lange Zeit wurde eine korrigierende Behandlung vor allem Kindern und Jugendlichen empfohlen.
Heute profitieren jedoch auch viele Erwachsene von einer Behandlung.
Sowohl die Nuss-Operation als auch die Ravitch-Operation werden erfolgreich bei erwachsenen Patienten durchgeführt und können Atmung, körperliche Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich verbessern.
Bei ausgewählten Patienten können außerdem nicht-operative Verfahren wie die Vacuum-Bell-Therapie sowie gezielte Physiotherapie die Beweglichkeit der Brustwand und das äußere Erscheinungsbild verbessern.
Fazit
Auch wenn sich die Form einer Trichterbrust nach der Pubertät meist stabilisiert, können sich die Beschwerden im Erwachsenenalter dennoch verstärken.
Veränderungen der Brustwand, des Herzens, der Lunge sowie der Körperhaltung können dazu führen, dass Symptome wie Atemnot, Müdigkeit oder Brustbeschwerden mit den Jahren zunehmen.
Wenn solche Beschwerden auftreten, sollte eine Untersuchung durch einen auf Brustwanddeformitäten spezialisierten Arzt erfolgen.
Eine frühzeitige Diagnostik und eine individuell angepasste Behandlung können die körperliche Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität deutlich verbessern.
Für weitere Informationen zur nicht-operativen Behandlung von Pectus Excavatum kontaktieren Sie uns gerne:
Wissenschaftliche Quellen
1. Current Management of Pectus Excavatum: A Review and Update of Therapy and Treatment RecommendationsJournal of the American Board of Family Medicine (2010)https://www.jabfm.org/content/23/2/230
2. Twenty-One Years of Experience With Minimally Invasive Repair of Pectus Excavatum by the Nuss Procedure in 1215 PatientsAnnals of Surgery (2010)https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21107118/
3. The Vacuum Bell for Treatment of Pectus Excavatum: An Alternative to Surgical Correction?European Journal of Cardio-Thoracic Surgery (2016)https://academic.oup.com/ejcts/article/49/2/379/2465043
4. Pectus Excavatum in Seniors: Clinical Characteristics and Surgical OutcomesAnnals of Cardiothoracic Surgeryhttps://www.annalscts.com/article/view/11845
5. Pectus Excavatum: Historical Background, Clinical Picture, Preoperative Evaluation and Criteria for OperationSeminars in Pediatric Surgery (2008)https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1055858608000240




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