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Pectus Arcuatum: Unterschiede zu Kielbrust und Trichterbrust

  • vor 11 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Pectus arcuatum ist eine seltene Form der Brustkorbfehlbildung, die häufig mit anderen Brustwanddeformitäten verwechselt wird.​‌​‌​​​​​‌​​​‌​‌​‌​​​​‌‌​‌​‌​‌​​​‌​‌​‌​‌​‌​‌​​‌‌​‌​​‌‌​​​‌​​​​​‌​‌​​​​‌​ In der wissenschaftlichen Literatur wird sie als eigenständige strukturelle Fehlbildung beschrieben, die durch eine vorzeitige Fusion des Manubriums – dem oberen Teil des Brustbeins – entsteht und Merkmale sowohl der Kielbrust (Pectus carinatum) als auch der Trichterbrust (Pectus excavatum) in sich vereint [1].

Die Einordnung war lange Zeit uneinheitlich: Pectus arcuatum wurde im Laufe der Jahre mal als Unterform der Kielbrust, mal als eigenständige Brustbeinanomalie und mal als "gemischte" Brustwanddeformität klassifiziert [1][3]. Ein wichtiger Grund für diese Verwirrung ist, dass die Erkrankung sehr selten ist und bei der körperlichen Untersuchung leicht mit anderen Pectus-Formen verwechselt werden kann [4].

Die untere Brustbeineinsenkung bei Pectus arcuatum kann einer Trichterbrust ähneln.

In diesem Artikel werden keine patientenspezifischen klinischen Daten oder Einschätzungen geteilt – alle Informationen stammen aus veröffentlichter wissenschaftlicher Literatur. Ziel ist es, verständlich zu erklären, was Pectus arcuatum ist, wie es sich von Kielbrust und Trichterbrust unterscheidet und warum der allgemeine Behandlungsansatz oft anders verläuft; eine individuelle Diagnose und Behandlungsentscheidung kann nur nach einer fachärztlichen Untersuchung getroffen werden.

Was Ist Pectus Arcuatum?

In der medizinischen Literatur wird Pectus arcuatum als kurzes, breites, S-förmiges Brustbein beschrieben: oben, am Übergang zwischen Manubrium und Brustbeinkörper, zeigt sich ein deutlicher Vorsprung, direkt darunter eine Einsenkung im unteren Brustbeinbereich. Meist begleitet von einer symmetrischen Knorpelfehlbildung, die den zweiten bis fünften Rippenknorpel auf beiden Seiten betrifft [1].

Wegen dieses Erscheinungsbilds wurde die Fehlbildung historisch auch als "Currarino-Silverman-Syndrom" (erstmals 1958 beschrieben) und umgangssprachlich als "Taubenbrust" bezeichnet. 1952 beschrieb Mark Ravitch die Fehlbildung als "ungewöhnliche Brustbeindeformität mit Herzsymptomen" und veröffentlichte die erste chirurgische Korrekturtechnik dafür [1][7].

Worin Unterscheidet Sich Pectus Arcuatum Von Der Kielbrust?

Die Kielbrust (Pectus carinatum) entsteht, wenn Brustbein und Rippenknorpel als Ganzes nach vorne vorstehen, meist als gleichförmiger Vorsprung im unteren oder mittleren Brustbereich. Pectus arcuatum wird in manchen Quellen als "oberer" (chondromanubrialer) Untertyp der Kielbrust eingeordnet [1], entsteht aber im Gegensatz zur klassischen Kielbrust durch eine vorzeitige Fusion des Brustbeins selbst und folgt damit einem eigenen Entstehungsmuster.

Der deutlichste Unterschied ist folgender: Bei der klassischen Kielbrust wölbt sich das gesamte Brustbein einheitlich in eine Richtung nach vorne, während bei Pectus arcuatum ein oberer Vorsprung und eine direkt darunterliegende Einsenkung gemeinsam auftreten – die Fehlbildung verläuft also nicht in eine, sondern S-förmig in zwei Richtungen [1][4]. Diese Unterscheidung erfordert eine sorgfältige Untersuchung, da sich die beiden Formen auf den ersten Blick ähneln können.

Worin Unterscheidet Sich Pectus Arcuatum Von Der Trichterbrust?

Die Trichterbrust (Pectus excavatum) entsteht, wenn sich das Brustbein als Ganzes nach innen einsenkt. Die untere Brustbeineinsenkung bei Pectus arcuatum kann oberflächlich ähnlich aussehen wie eine Trichterbrust; in der Literatur wird Pectus arcuatum daher gelegentlich als "Kielbrust mit leichtem Trichterbrust-Merkmal" beschrieben [1].

Der entscheidende Unterschied ist jedoch, dass sich die Einsenkung bei Pectus arcuatum nur auf den unteren Teil des Brustbeins beschränkt und gemeinsam mit einem deutlichen oberen Vorsprung auftritt – bei einer reinen Trichterbrust fehlt dieser obere Vorsprung. Deshalb lässt sich Pectus arcuatum vereinfacht als "oben Kielbrust, unten Trichterbrust" beschreiben [1].

Warum Entsteht Pectus Arcuatum?

Die genaue Ursache von Brustwanddeformitäten ist nicht vollständig geklärt; in der Literatur wird eine mögliche Rolle abnormaler Knorpelwachstumsprozesse und genetischer Faktoren diskutiert [6]. Spezifisch für Pectus arcuatum ist, dass die Gelenkzone zwischen Manubrium und Brustbeinkörper früher als normal verknöchert – diese vorzeitige Fusion wird als der Mechanismus vermutet, der die Rippenknorpel abwinkelt und dem Brustbein seine S-Form verleiht [1].

Einige Veröffentlichungen berichten, dass Pectus arcuatum gemeinsam mit angeborenen Herzfehlern oder Wirbelsäulenanomalien auftreten kann [1]; dies zeigt, dass eine Untersuchung nicht nur die Brustwand, sondern auch den Gesamtzustand berücksichtigen sollte. Das bedeutet nicht, dass bei jedem Pectus-arcuatum-Fall eine zusätzliche Anomalie vorliegt – es unterstreicht lediglich, warum die Literatur eine umfassende medizinische Abklärung empfiehlt.

Symptome Und Wann Sie Auffallen

Pectus arcuatum verläuft meist symptomlos; bei den meisten Patienten beeinträchtigt es Herz- oder Lungenfunktion nicht unmittelbar. Die Literatur berichtet jedoch, dass das äußere Erscheinungsbild – besonders im Jugendalter – einen deutlichen psychologischen Einfluss auf Selbstwertgefühl und Körperbild haben kann [1][2].

Ein praktischer Hinweis für Eltern ist, wenn im Wachstumsalter am Brustbein ein oberer Vorsprung gemeinsam mit einer direkt darunterliegenden Einsenkung auffällt. Wird ein solches Bild festgestellt, ist der Weg zu einem Facharzt für eine sichere Diagnose und Bewertung zuverlässiger, als einfach abzuwarten, ob es sich "von selbst gibt".

Wie Wird Die Diagnose Gestellt?

Die Diagnose beginnt mit einer körperlichen Untersuchung, bei der der Arzt die Form des Brustbeins, die Symmetrie der Rippenknorpel und das gemeinsame Vorkommen von Einsenkung und Vorsprung beurteilt. Pectus arcuatum von den anderen Pectus-Formen zu unterscheiden ist klinisch meist der schwierigste Schritt, da alle drei Formen (Kielbrust, Trichterbrust, Arcuatum) oberflächlich ähnlich aussehen können [4].

Bildgebende Verfahren – insbesondere die Computertomografie – können helfen, die charakteristische S-Form des Brustbeins zu bestätigen und begleitende Herz- oder Lungenbefunde zu bewerten. Die Literatur betont, dass diese Differenzialdiagnose für eine richtige Behandlungsplanung entscheidend ist [1].

An dieser Stelle kann die gemeinsame Beurteilung durch verschiedene Fachrichtungen – Thoraxchirurgie, Kardiologie und bei Bedarf genetische Beratung – hilfreich sein, besonders wenn ein Verdacht auf einen begleitenden Herz- oder Wirbelsäulenbefund besteht; die Literatur empfiehlt hier einen umfassenden Abklärungsprozess statt einer einzigen Untersuchung [1][5].

Warum Unterscheiden Sich Die Behandlungsansätze?

In der veröffentlichten Literatur wird für Pectus arcuatum – anders als bei Kielbrust und Trichterbrust – überwiegend ein chirurgischer Korrekturansatz beschrieben; die Studien befassen sich größtenteils mit der klassischen Ravitch-Technik sowie neueren minimalinvasiven Verfahren [1][2]. Als Begründung wird angeführt, dass die Fehlbildung nicht von einer Krümmung des Knorpelgewebes, sondern von der vorzeitigen Fusion der Knochenstruktur selbst ausgeht.

In der klinischen Praxis von Pectuslab sieht der Ansatz allerdings etwas anders aus: Bei einem bedeutenden Teil der Patienten mit Pectus-arcuatum-Diagnose wird eine Kombination aus Vakuumglocke und Orthese als primärer (zuerst versuchter) Ansatz eingesetzt; eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn konservative Methoden nicht ausreichen oder die Fehlbildung sehr ausgeprägt ist. Hier muss klar gesagt werden: Dies ist keine Aussage über eine Erfolgsquote oder ein Behandlungsversprechen – welcher Ansatz geeignet ist, hängt von Faktoren wie der Flexibilität der Brustwand, dem Schweregrad der Fehlbildung und dem Alter des Patienten ab und wird erst nach einer Untersuchung durch den behandelnden Arzt festgelegt.

Diese Unterscheidung hat eine wichtige praktische Konsequenz für Familien: Wird an der Brustwand sowohl ein oberer Vorsprung als auch eine untere Einsenkung festgestellt, muss unbedingt fachärztlich abgeklärt werden, ob es sich um das in der Literatur beschriebene klassische Arcuatum-Muster oder um eine klassische Kielbrust/Trichterbrust handelt. Die Gpad-Orthese und die Gvacuum-Vakuumglocke von Pectuslab können sowohl bei klassischen Kielbrust-/Trichterbrust-Fällen als auch bei Pectus-arcuatum-Fällen, bei denen dies nach fachärztlicher Beurteilung sinnvoll ist, als Teil eines konservativen Ansatzes eingesetzt werden; welche Methode für welchen Fall geeignet ist, lässt sich nur durch eine Untersuchung bestimmen.

Häufig Gestellte Fragen

Ist Pectus Arcuatum Gefährlich?

In den meisten Fällen bedroht Pectus arcuatum Herz- oder Lungenfunktion nicht unmittelbar, und die eigentliche Belastung liegt im äußeren Erscheinungsbild und der damit verbundenen psychischen Wirkung. Da die Literatur jedoch berichtet, dass es in manchen Fällen zusammen mit angeborenen Herz- oder Wirbelsäulenanomalien auftreten kann, wird eine umfassende medizinische Abklärung empfohlen [1].

Können Vakuumglocke Oder Orthese Bei Pectus Arcuatum Eingesetzt Werden?

In der veröffentlichten Literatur wird für Pectus arcuatum überwiegend eine chirurgische Korrektur beschrieben [1]. In der klinischen Praxis von Pectuslab wird bei einem bedeutenden Teil der Pectus-arcuatum-Fälle jedoch eine Kombination aus Vakuumglocke und Orthese als primärer Ansatz versucht; eine Operation kommt in Betracht, wenn konservative Methoden nicht ausreichen. Welcher Ansatz geeignet ist, wird – ohne Aussage zu einer bestimmten Erfolgsquote – ausschließlich durch Untersuchung und fachärztliche Beurteilung festgelegt.

Wann Sollte Man Einen Facharzt Aufsuchen?

Immer wenn am Brustbein ein oberer, nach vorne gerichteter Vorsprung gemeinsam mit einer direkt darunterliegenden Einsenkung auffällt – besonders im Wachstumsalter – wird empfohlen, einen Thoraxchirurgen oder Kinderarzt zu konsultieren. Eine frühe Abklärung hilft bei der richtigen Einordnung und der Wahl des passenden Behandlungswegs.

Fazit

Pectus arcuatum ist eine seltene Brustwanddeformität, die manche Merkmale von Kielbrust und Trichterbrust in sich vereint, aber auf einem eigenen Fusionsmechanismus beruht. Die charakteristische S-Form – oben ein Vorsprung, darunter eine Einsenkung – ist das Merkmal, das sie von den beiden häufigeren Pectus-Formen unterscheidet, und diese richtige Einordnung entscheidet direkt darüber, ob der Behandlungsweg chirurgisch oder nicht-chirurgisch verläuft. Für eine sichere Diagnose und eine individuelle Bewertung ist immer eine fachärztliche Untersuchung notwendig.

Quellen

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