top of page

Eine Brustkorbseite ausgeprägter? Asymmetrische Brustkorbdeformitäten verstehen

  • vor 2 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Wenn eine Seite des Brustkorbs stärker hervortritt, ausgeprägter vorgewölbt oder eingesunken wirkt als die andere, fällt das vielen Eltern und Erwachsenen auf – wird aber selten verständlich erklärt.​‌​‌​​​​​‌​​​‌​‌​‌​​​​‌‌​‌​‌​‌​​​‌​‌​‌​‌​‌​‌​​‌‌​‌​​‌‌​​​‌​​​​​‌​‌​​​​‌​ In der wissenschaftlichen Literatur wird berichtet, dass ein erheblicher Teil der Brustkorbdeformitäten (Kielbrust, Trichterbrust und seltenere Formen) tatsächlich nicht vollkommen symmetrisch verläuft, sondern in gewissem Maße asymmetrisch ist [1] [2].

Diese Asymmetrie wird in der Literatur meist mit einer leichten Rotation des Brustbeins (Sternum) oder damit erklärt, dass sich der Rippenknorpel auf einer Seite anders lang entwickelt als auf der anderen [2] [3]. Das bedeutet nicht, dass die Deformität "falsch" oder "kompliziert" ist – es zeigt lediglich, dass die beiden Seiten der Brustwand im Wachstum nicht exakt gleich verlaufen sind.

Laut Literatur kann sich der Rotationswinkel des Brustbeins im Wachstum verändern, weshalb regelmäßige Kontrollen empfohlen werden.

In diesem Beitrag werden keine patientenbezogenen klinischen Daten oder Einschätzungen geteilt; alle Angaben stammen aus veröffentlichter wissenschaftlicher Literatur und sind allgemeiner Natur. Ziel ist es, verständlich zu erklären, warum der Brustkorb auf einer Seite ausgeprägter wirken kann, wie das mit Kielbrust und Trichterbrust zusammenhängt und wann ein Facharzt aufgesucht werden sollte – eine individuelle Beurteilung ist nur durch eine körperliche Untersuchung möglich.

Warum wirkt der Brustkorb auf einer Seite ausgeprägter?

Die Form der Brustwand hängt davon ab, wie schnell das Brustbein und der Knorpel, der es mit den Rippen verbindet, wachsen. Dieses Wachstum verläuft nicht immer auf beiden Hälften des Brustkorbs exakt gleich; laut Literatur kann eine leichte Drehung (Rotation) des Brustbeins zu einer Seite oder ein etwas längeres Wachstum des Rippenknorpels auf einer Seite dazu führen, dass die Brustwand nicht symmetrisch wirkt [1] [3].

Wie stark dieser Unterschied ausfällt, variiert von Person zu Person. In manchen Fällen fällt die Asymmetrie nur bei genauem Hinsehen auf, in anderen ist die Vorwölbung oder Einsenkung auf einer Seite deutlich sichtbar. Für solche Beurteilungen werden in der Literatur Kennwerte wie der "Rotationswinkel" verwendet, der angibt, wie stark sich das Brustbein gedreht hat [4].

Eine asymmetrische Brustkorbform kann auch mit einem Rippenbogenaufklappen (Rib Flare) verwechselt werden, da in beiden Fällen ein Bereich der Brustwand ausgeprägter wirkt als der Rest. Die beiden Phänomene haben jedoch unterschiedliche strukturelle Ursachen: Beim Rib Flare klappt der untere Rippenbogen nach außen auf, während die hier beschriebene Asymmetrie direkt mit der Rotation des Brustbeins und unterschiedlichem Knorpelwachstum zusammenhängt [1] [3]. Auch diese Abgrenzung lässt sich letztlich nur durch eine Untersuchung klären.

Asymmetrische Kielbrust

Kielbrust (Pectus carinatum) wird klassischerweise als vollständiges Vorwölben des Brustbeins beschrieben, doch laut Literatur kann diese Vorwölbung auch einseitig (unilateral) auftreten – häufig mit einer leichten Rotation des Brustbeins nach rechts [2].

In einer Studie zu genau diesem Thema wurden mittels Computertomografie die Längen von Rippen und Rippenknorpeln bei Patienten mit asymmetrischer Kielbrust gemessen; auf der Seite mit der stärker ausgeprägten Vorwölbung war der Knorpel länger als auf der Gegenseite [3]. Dieser Befund deutet darauf hin, dass die Asymmetrie nicht zufällig ist, sondern auf einem realen Unterschied im Knorpelwachstum beruhen kann.

Asymmetrische Trichterbrust

Ein ähnliches Muster zeigt sich bei der Trichterbrust (Pectus excavatum): Laut Literatur entwickelt sich die Einsenkung des Brustbeins häufig nicht genau mittig, sondern leicht nach rechts verschoben – ein Befund, der als "asymmetrische Trichterbrust" bezeichnet wird [1].

Eine veröffentlichte Studie zeigte, dass bei Patienten mit asymmetrischer Brustkorbdeformität der Rotationswinkel des Brustbeins mit zunehmendem Alter größer wird – die Asymmetrie kann also im Laufe des Wachstums ausgeprägter werden [4]. Das zeigt, dass eine früh erkannte, milde Asymmetrie sich mit der Zeit verändern kann, weshalb regelmäßige Kontrollen wichtig sind.

Zusammenhang mit der Wirbelsäule (Skoliose)

Die Rotation des Brustbeins beschränkt sich nicht allein auf die vordere Brustwand. Laut Literatur können bei Patienten mit Trichterbrust auch die Brustwirbel (thorakale Wirbelsäule) eine gewisse Rotation aufweisen – die Asymmetrie des Brustbeins kann also auch mit der Wirbelsäule in Zusammenhang stehen [5].

Dieser größere Zusammenhang erklärt, warum in der Literatur empfohlen wird, bei Patienten mit Brustkorbdeformität auch die Wirbelsäule auf eine mögliche Verkrümmung (Skoliose) hin zu untersuchen [6]. Das bedeutet nicht, dass jede asymmetrische Brustkorbform zwangsläufig mit einer Skoliose einhergeht – es handelt sich um einen allgemeinen Befund, der zeigt, dass beide Strukturen im Wachstum miteinander verbunden sein können.

Wann ist das normal, wann sollte es abgeklärt werden?

Eine leichte Asymmetrie ist tatsächlich recht häufig und für sich genommen nicht zwangsläufig ein Krankheitszeichen; laut Literatur sind vollkommen symmetrische Brustkorbdeformitäten sogar seltener als asymmetrische [1] [2]. Nimmt die Asymmetrie jedoch mit der Zeit zu, geht sie mit einseitigen Schmerzen oder Beschwerden einher, oder wird eine rasche Veränderung des Brustbeins bemerkt, ist der Besuch bei einem Facharzt ein sinnvoller und sicherer Schritt.

In der klinischen Praxis von Pectuslab bieten wir allgemeine Informationen und Unterstützung bei der Weiterleitung zu Brustkorbasymmetrie an; für eine verbindliche Beurteilung ist immer der direkte Besuch bei einem Facharzt nötig – das kann ein Thoraxchirurg, ein Kinderchirurg, ein Orthopäde oder ein Physiotherapeut sein; welche Fachrichtung passend ist, hängt von den jeweiligen Befunden ab.

Auch die Wirkung auf das äußere Erscheinungsbild sollte nicht unterschätzt werden. Laut Literatur können Brustkorbdeformitäten, besonders in der Pubertät, das Selbstwertgefühl und die Körperwahrnehmung deutlich psychisch beeinflussen [2]. Die Asymmetrie sollte daher nicht als "reine Optikfrage" abgetan werden – ein Gespräch mit einem Facharzt kann sowohl für die körperliche als auch für diese psychische Seite hilfreich sein.

Der diagnostische Ablauf

Die Beurteilung beginnt in der Regel mit einer körperlichen Untersuchung; der Arzt beobachtet den Unterschied zwischen Brustbein und Rippen auf beiden Seiten und nutzt bei Bedarf Schweregradmaße wie den Haller-Index [2]. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie können helfen, das Ausmaß der Asymmetrie und die Richtung der Brustbeinrotation genauer zu bestimmen [3] [4].

In manchen Fällen, besonders bei ausgeprägter Asymmetrie oder begleitenden Befunden, wird in der Literatur zusätzlich eine Untersuchung der Wirbelsäule empfohlen [5] [6]. So entsteht kein vollständiges Bild durch eine einzelne Untersuchung, sondern erst durch die gemeinsame Beurteilung mehrerer Fachrichtungen (z. B. Thoraxchirurgie und Orthopädie), wenn nötig.

Eine einmalige Untersuchung reicht nicht immer aus. Angesichts von Befunden, wonach sich der Rotationswinkel während des Wachstums verändern kann [4], ist eine erneute Beurteilung in festgelegten Abständen – besonders in Kindheit und Pubertät – sinnvoll, um den Verlauf der Asymmetrie richtig einzuschätzen.

Wie unterscheidet sich der Behandlungsansatz bei asymmetrischen Fällen?

Bei einer asymmetrischen Brustkorbdeformität erfordert der Behandlungsplan in der Regel einen individuelleren Ansatz als bei symmetrischen Fällen, da der aufgebrachte Druck oder die Unterstützung nicht gleichmäßig, sondern passend zur Asymmetrie auf beide Seiten verteilt werden muss. Laut Literatur wird die Asymmetrie sogar bei der chirurgischen Korrektur berücksichtigt, indem der Winkel der hinteren Osteotomie entsprechend angepasst wird [3].

Bei nicht-chirurgischen Ansätzen (wie Orthesen und Vakuumglocken) gilt eine ähnliche Logik: Das Produkt muss passend zur Anatomie des Patienten – und einer eventuellen Asymmetrie – ausgewählt und eingestellt werden. Hier können zum Beispiel die verschiedenen Pad-Varianten der Gpad-Orthese oder die unterschiedlichen Größenoptionen der Gvacuum-Vakuumglocke hilfreich sein, da sie eine Auswahl passend zu unterschiedlichen anatomischen Formen ermöglichen; welches Produkt und welche Einstellung für einen konkreten asymmetrischen Fall geeignet sind, kann jedoch nur ein Facharzt nach einer Untersuchung festlegen. Klarzustellen ist: Dies ist keine Aussage über eine bestimmte Erfolgsquote oder eine Garantie.

Häufig gestellte Fragen

Ist es gefährlich, wenn eine Seite des Brustkorbs stärker hervortritt?

In den meisten Fällen gefährdet eine leichte Asymmetrie für sich genommen weder Herz- noch Lungenfunktion und ist in erster Linie eine optische Angelegenheit. Da die Literatur jedoch berichtet, dass Asymmetrie in manchen Fällen zusammen mit einer Wirbelsäulenrotation auftreten kann [5] [6], wird bei ausgeprägter oder sich rasch verändernder Asymmetrie eine umfassende Abklärung empfohlen.

Bildet sich die Asymmetrie im Wachstum von selbst zurück?

In der Literatur gibt es keinen allgemeinen Befund, dass sich die Asymmetrie mit dem Alter verringert; im Gegenteil zeigen manche Studien, dass der Rotationswinkel mit fortschreitendem Wachstum zunimmt [4]. Statt auf eine "spontane Besserung" zu warten, wird daher eine regelmäßige Kontrolle empfohlen.

An welchen Facharzt sollte man sich bei asymmetrischem Brustkorb wenden?

Wird eine Asymmetrie am Brustkorb bemerkt, ist der direkte Besuch bei einem Facharzt der sinnvolle erste Schritt; das kann ein Thoraxchirurg, ein Kinderchirurg, ein Orthopäde oder ein Physiotherapeut sein – welche Fachrichtung passend ist, hängt von Befund und Alter ab, bei Bedarf kann auch eine gemeinsame Beurteilung mehrerer Fachrichtungen erfolgen.

Fazit

Dass eine Seite des Brustkorbs ausgeprägter wirkt als die andere, ist ein in der Literatur zu Brustkorbdeformitäten wie Kielbrust und Trichterbrust häufig beschriebener Befund, der auf einer leichten Rotation des Brustbeins und unterschiedlichem Wachstum des Rippenknorpels beruhen kann. Eine leichte Asymmetrie ist verbreitet und in der Regel unbedenklich, bei zunehmender oder beschwerdeverursachender Asymmetrie wird jedoch eine fachärztliche Beurteilung empfohlen. Die endgültige Diagnose, der Schweregrad und der Behandlungsansatz werden immer durch eine fachärztliche Untersuchung festgelegt.

Quellen

Kontaktieren Sie uns

Haben Sie Fragen? Sprechen Sie mit unserem Team über Pectus-Therapieprodukte und die passende Lösung für Sie.

 
 
bottom of page