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Was Ist Eine Trichterbrust? Symptome Und Wann Ärztliche Abklärung Nötig Ist

  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Eine trichterförmige Vertiefung in der Mitte des Brustkorbs - im Volksmund manchmal Schusterbrust genannt - ist medizinisch als Trichterbrust (Pectus excavatum) bekannt. Sie entsteht, wenn das Brustbein und der damit verbundene Rippenknorpel beim Wachstum nach innen statt nach außen wachsen.​‌​‌​​​​​‌​​​‌​‌​‌​​​​‌‌​‌​‌​‌​​​‌​‌​‌​‌​‌​‌​​‌‌​‌​​‌‌​​​‌​​​​​‌​‌​​​​‌​ In der Fachliteratur zählt sie zu den häufigsten strukturellen Besonderheiten der Brustwand; die berichteten Häufigkeiten schwanken je nach Studienkollektiv stark, von etwa 1:400 bis 1:40 [1]. Eine internationale Konsensus-Leitlinie aus dem Jahr 2024 gibt für alle Brustwandbesonderheiten zusammen eine Häufigkeit von rund 1:250 an [2].

Ein wiederkehrender Punkt in der Literatur ist, dass die Ausprägung in der Kindheit oft mild ist und während Wachstumsschüben deutlicher wird. Jungen werden etwa drei- bis fünfmal häufiger zur Abklärung vorgestellt als Mädchen [1]. Interessanterweise deuten Bevölkerungsstudien mit radiologischen Messungen bei Erwachsenen darauf hin, dass leichte Formen der Trichterbrust häufiger vorkommen könnten, als die Zahl der ärztlichen Vorstellungen allein vermuten lässt [4] - ein Hinweis darauf, dass ein Teil der milden Fälle möglicherweise nie ärztlich beurteilt wird.

Atemnot, schnelle Ermüdung oder Herzklopfen sind Gründe, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen.

Dieser Beitrag soll keine Diagnose ersetzen, sondern Familien und Betroffenen helfen zu verstehen, worum es geht. Die Trichterbrust ist nicht nur ein kosmetisches Thema; Studien zeigen, dass neben möglichen körperlichen Beschwerden auch Auswirkungen auf Selbstbild und soziales Selbstvertrauen auftreten können [3][7]. Im Folgenden wird erklärt, was diese Brustwandbesonderheit ist, welche Symptome auftreten können und wann eine fachärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Was Genau Ist Eine Trichterbrust?

Vereinfacht gesagt handelt es sich um eine Einsenkung in der Mitte des Brustkorbs. Das Brustbein wirkt in Richtung Wirbelsäule zurückgezogen, während der umgebende Rippenknorpel die Ränder der Vertiefung bildet. Wie tief diese Vertiefung ist, variiert stark von Person zu Person - bei manchen kaum sichtbar, bei anderen deutlich ausgeprägt [1].

Das Erscheinungsbild ist nicht immer vollständig symmetrisch. Bei manchen Menschen liegt die Vertiefung mittig, bei anderen ist sie zu einer Seite verschoben, wobei eine Rippenseite stärker hervortritt. Die Fachliteratur unterteilt Brustwandbesonderheiten in Einsenkung (Trichterbrust), Vorwölbung (Kielbrust) und seltenere Mischformen [2][3]. "Trichterbrust" beschreibt also kein einziges Erscheinungsbild, sondern ein Spektrum.

Auch die im Alltag verwendeten Begriffe spiegeln dieses Spektrum wider. Für die Einsenkung wird umgangssprachlich manchmal Schusterbrust verwendet, für die Vorwölbung Kielbrust oder Hühnerbrust, für nach außen stehende untere Rippenränder Rippenflare. Diese Alltagsbegriffe sind praktisch, ersetzen aber keine fachärztliche Einordnung.

Warum Entsteht Sie?

Eine einzelne Erklärung, die alle Fälle abdeckt, gibt es nicht. Der in der Literatur am meisten unterstützte Rahmen sieht eine Entwicklungsbesonderheit im Wachstum des Rippenknorpels während der Kindheit als Ursache [1][3]. Es handelt sich also nicht um die Folge einer Verletzung oder einer schlechten Angewohnheit.

Eine familiäre Häufung wird in der Literatur immer wieder thematisiert. Eine Familienstudie zur Vererbung zeigte, dass ein Teil der Menschen mit Trichterbrust Verwandte mit ähnlicher Brustwandform hat [5]. Das bedeutet nicht, dass ein einzelnes Gen verantwortlich ist - es zeigt lediglich, dass die Veranlagung in bestimmten Familien häufiger vorkommen kann.

Bei einem Teil der Betroffenen tritt sie gemeinsam mit umfassenderen Bindegewebsbesonderheiten auf. Konsensus-Leitlinien empfehlen, bei der Abklärung einer Brustwandbesonderheit auch das allgemeine Skelett- und Bindegewebsprofil der Person zu berücksichtigen [2]. Eine solche Einschätzung kann nur ärztlich erfolgen - Familien sollten hier keine eigenen Schlüsse ziehen.

Welche Symptome Können Auftreten?

Bei vielen Menschen ist das Erscheinungsbild der einzige Befund, ohne begleitende Beschwerden. Das gilt besonders für leichtere Ausprägungen, bei denen keine alltagsrelevante Beschwerde berichtet wird [1][4]. Eine Verlaufskontrolle kann trotzdem empfohlen werden, da sich die Form während des Wachstums verändern kann.

Bei einem anderen Teil werden belastungsabhängige Beschwerden beschrieben. Am häufigsten werden in der Literatur schnellere Ermüdung bei Belastung, ein Gefühl von Atemnot, Beschwerden im Brustbereich und Herzklopfen genannt [1][3]. Die Stärke dieser Beschwerden hängt nicht immer eindeutig mit der Tiefe der Einsenkung zusammen - zwei Menschen mit ähnlichem Erscheinungsbild können sehr unterschiedliche Beschwerden schildern.

Auch Beobachtungen zur Körperhaltung werden häufig genannt. Nach vorne gezogene Schultern, ein runder Rücken und nach außen stehende Rippenränder können begleitend auftreten. Keines dieser Zeichen ist für sich allein diagnostisch - sie erhalten erst im Rahmen einer vollständigen ärztlichen Untersuchung ihre Bedeutung.

Psychosoziale Auswirkungen sind ein Thema, das nicht übersehen werden sollte. Studien bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zeigen, dass Brustwandbesonderheiten Körperbild, Selbstwertgefühl und die Bereitschaft, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, beeinflussen können [7]. Das Vermeiden von Schwimmbad, Strand, Fitnessstudio oder anderen Orten, an denen der Körper sichtbar ist, gehört zu den Zeichen, die Familien am häufigsten bemerken. Liegt eine solche Auswirkung vor, lohnt sich eine Abklärung auch dann, wenn die Einsenkung selbst mild erscheint.

Wann Sollte Eine Fachärztliche Abklärung Erfolgen?

Allein das Bemerken der Form ist ein ausreichender Grund für eine Abklärung. Wenn Familien oder Erwachsene eine Vertiefung in der Mitte des Brustkorbs bemerken, ist es sinnvoll, klären zu lassen, worum es sich handelt und ob eine Verlaufskontrolle notwendig ist. Konsensus-Leitlinien betonen, dass Brustwandbesonderheiten von einem in diesem Bereich erfahrenen Team beurteilt werden sollten [2].

Manche Situationen erfordern eine zügigere Vorstellung. Atemnot, ungewöhnlich schnelle Ermüdung bei Belastung, Brustschmerzen, Herzklopfen, eine sich in kurzer Zeit deutlich verändernde Form oder eine Einschränkung im Alltag sind Gründe, nicht zu warten. Diese Beschwerden müssen nicht immer durch die Brustwandform selbst verursacht sein - eine Abklärung berücksichtigt daher auch andere mögliche Ursachen.

Auch die Wachstumsphase spielt eine Rolle. Die Phase, in der der Rippenknorpel noch flexibel ist, wird in der Literatur für nicht-operative Ansätze am häufigsten diskutiert [6]. Deshalb ist es bei Kindern und Jugendlichen meist sinnvoller, frühzeitig eine Abklärung vornehmen zu lassen, statt abzuwarten, ob sich die Form "auswächst".

Auch bei Erwachsenen, die die Form erst spät bemerken, ist eine Abklärung sinnvoll. Selbst wenn die Form seit Jahren unverändert ist, ist es nicht zu spät, danach zu fragen, wenn Beschwerden bestehen oder einfach der Wunsch nach mehr Klarheit da ist; die verfügbaren Optionen unterscheiden sich je nach Alter und werden ärztlich festgelegt.

Was Passiert Bei Der Fachärztlichen Untersuchung?

Die Untersuchung beginnt meist mit einer ausführlichen körperlichen Untersuchung. Form, Symmetrie und Flexibilität der Brustwand werden gemeinsam mit der Körperhaltung betrachtet; Beschwerden und ihre Auswirkung auf den Alltag werden ebenfalls besprochen [1][2].

Zur Einschätzung des Schweregrads werden definierte Messverfahren verwendet. In der Literatur werden bildgebende Indizes beschrieben, um die Tiefe der Einsenkung objektiv zu erfassen; welches Verfahren und welche Bildgebung im Einzelfall angewendet wird, entscheidet der Arzt oder die Ärztin [1][2]. Diese Messungen ersetzen keine häuslichen Beobachtungen - eine fotografische Verlaufsdokumentation durch die Familie dient lediglich als zusätzliche Information für den behandelnden Arzt.

Bei Bedarf werden Herz- und Lungenfunktion zusätzlich untersucht. Bestehen belastungsabhängige Beschwerden, können weitere Untersuchungen veranlasst werden, um deren Ursache zu klären [2][3]. Ziel der Untersuchung ist nicht nur, die Form einzuordnen, sondern den Zusammenhang zwischen Form und tatsächlichen Beschwerden zu verstehen.

Was Ist Das Grundprinzip Nicht-Operativer Ansätze?

Nicht-operative Ansätze beruhen auf einem kontrollierten, regelmäßig wiederholten Reiz, solange die Brustwand noch flexibel ist. Bei der Trichterbrust wird dazu häufig die Saugglocken-Methode eingesetzt, die durch Unterdruck an der vorderen Brustwand die eingesenkte Stelle allmählich nach außen ziehen soll und seit Langem als nicht-operative Option in der Fachliteratur beschrieben wird [6]. Veröffentlichte Arbeiten betonen durchgehend, dass die Behandlungsentscheidung individuell getroffen werden sollte - abhängig von Alter, Flexibilität der Brustwand, den Merkmalen der Deformität und davon, wie konsequent die tägliche Anwendung eingehalten werden kann [2][6].

Entscheidend ist dabei, dass diese Entscheidung individuell ist. Zwei Menschen mit sehr ähnlichem Erscheinungsbild benötigen nicht zwangsläufig denselben Ansatz - bei dem einen kann eine Verlaufskontrolle ausreichen, bei dem anderen ein nicht-operatives Hilfsmittel infrage kommen, bei einem dritten kann eine operative Abklärung Thema werden. Diese Entscheidung trifft ausschließlich der untersuchende Arzt oder die Ärztin.

Pectuslab entwickelt und fertigt nicht-operative Produkte für Brustwandbesonderheiten. Dazu gehören die Gvacuum Saugglocken-Modelle für die Trichterbrust sowie die Gpad Orthese für Kielbrust und Rippenflare. Ob und wie eines dieser Produkte für einen konkreten Fall geeignet ist, entscheidet der behandelnde Arzt; Pectuslab ersetzt weder eine Diagnose noch einen Behandlungsplan.

Häufig Gestellte Fragen

Bildet Sich Eine Trichterbrust Von Selbst Zurück?

Die Literatur beschreibt eine spontane Rückbildung nicht als allgemeine Regel. Das Erscheinungsbild kann sich während des Wachstums verändern - bei manchen wird es deutlicher, bei anderen bleibt es stabil [1][3]. Deshalb sollte auch eine "Abwarten"-Entscheidung gemeinsam mit ärztlicher Begleitung getroffen werden.

Verursacht Eine Schlechte Körperhaltung Eine Trichterbrust?

Der in der Literatur beschriebene Rahmen sieht die Trichterbrust als strukturelle Besonderheit im Zusammenhang mit der Knorpelentwicklung [1][3]. Die Körperhaltung kann beeinflussen, wie die Form wahrgenommen wird, wird jedoch nicht als Ursache der eigentlichen Einsenkung beschrieben. Haltungsbedingte Beschwerden werden meist als eigenständiges Thema behandelt.

Lohnt Sich Eine Abklärung Auch Bei Einer Milden Ausprägung?

Auch bei milderen Ausprägungen wird meist eine einmalige Abklärung empfohlen. Ziel ist nicht zwangsläufig, eine Behandlung zu beginnen, sondern zu klären, worum es sich handelt, ob eine Verlaufskontrolle nötig ist, und wie diese während des Wachstums geplant wird [2].

An Welche Fachrichtung Sollte Man Sich Wenden?

Brustwandbesonderheiten können in den Zuständigkeitsbereich mehrerer Fachrichtungen fallen. Bei Kindern ist die Kinderchirurgie meist die erste Anlaufstelle, bei Erwachsenen die Thoraxchirurgie; manche Zentren verfügen über interdisziplinäre Teams mit entsprechender Erfahrung [2]. Der praktischste Weg ist, sich zunächst an den Hausarzt oder die Hausärztin zu wenden und um eine Überweisung an ein erfahrenes Zentrum zu bitten.

Zum Abschluss

Die Trichterbrust, medizinisch Pectus excavatum, ist eine in der Fachliteratur gut beschriebene und recht häufige Brustwandbesonderheit. Die Beschwerden unterscheiden sich stark von Person zu Person: Manche bemerken nur das Erscheinungsbild, andere berichten von belastungsabhängigen Beschwerden oder psychosozialen Auswirkungen. Der zuverlässigste Schritt ist nicht, die Form selbst zu deuten, sondern sie einmal von einem erfahrenen Arzt oder einer erfahrenen Ärztin beurteilen zu lassen. Darauf aufbauend können Verlaufskontrolle, nicht-operative Ansätze oder operative Optionen besprochen werden - je nachdem, was zum individuellen Fall passt.

Quellen

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