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Saugglocke bei Trichterbrust: Welche Größe passt und wie wird sie bestimmt?

  • vor 4 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

Die Behandlung mit der Saugglocke ist seit über zwanzig Jahren als nicht-operative Option bei Trichterbrust in der Fachliteratur beschrieben. Die Trichterbrust ist eine strukturelle Fehlbildung der Brustwand, bei der das Brustbein und die daran ansetzenden Rippenknorpel nach innen eingesunken sind.​‌​‌​​​​​‌​​​‌​‌​‌​​​​‌‌​‌​‌​‌​​​‌​‌​‌​‌​‌​‌​​‌‌​‌​​‌‌​​​‌​​​​​‌​‌​​​​‌​ Nicht-operative Verfahren beruhen auf einem einfachen mechanischen Gedanken: Von außen wird ein kontrollierter Unterdruck auf die Brustwand aufgebracht, um das Brustbein über die Zeit allmählich nach vorn zu ziehen. Systematisch beschrieben wurde das Verfahren Anfang der 2000er-Jahre; seither wurde es in zahlreichen klinischen Serien untersucht [1][2].

Über zwei Jahrzehnte klinische Erfahrung deuten darauf hin, dass die Saugglocke in bestimmten Patientengruppen berechenbarere Ergebnisse liefert als in anderen. Der gemeinsame Nenner der Literatur: Die Wirkung hängt vom Alter, von der Beweglichkeit der Brustwand und vom Ausmaß der Einsenkung ab. Aktuelle Übersichtsarbeiten betonen deshalb, wie wichtig eine individuelle Beurteilung vor Therapiebeginn ist [3]. In der Praxis stützt sich diese Beurteilung meist auf Anamnese, körperliche Untersuchung, fotografische Dokumentation und eine Messung der Tiefe der Einsenkung [3].

Die Gvacuum Vacuum Bell wird in sieben Größen angeboten, um unterschiedlichen Brustkorbformen gerecht zu werden.

Eine der praktischsten Folgen dieser individuellen Beurteilung ist die Frage, welche Größe der Saugglocke verwendet wird. Die Glocke liegt unmittelbar auf der Brustwand auf und überträgt den Unterdruck. Eine Größe, die nicht zur Anatomie passt, kann deshalb sowohl den Tragekomfort als auch die wirksame Übertragung des Drucks beeinträchtigen. Dieser Beitrag geht zuerst auf die allgemeinen Grundsätze zu Größe und Passform in der Literatur ein und danach auf die Eigenschaften der Gvacuum Vacuum Bell, die diesen Grundsätzen entsprechen.

Warum Größe und Passform in der Fachliteratur eine Rolle spielen

In veröffentlichten Arbeiten werden Saugglocken in der Regel in mehreren Größen beschrieben, wobei die Auswahl sich am Alter und an der Vermessung der vorderen Brustwand orientiert. In der Basler Erfahrung wurde ein breites Patientenkollektiv im Alter von 3 bis 61 Jahren ausgewertet; berichtet wurde dabei, dass die anatomische Passform des Geräts als Teil des Behandlungsprozesses zu verstehen ist [2]. Die Größenauswahl ist also keine einmalige Messung vor Therapiebeginn, sondern eine natürliche Fortsetzung der klinischen Beurteilung.

Die Beweglichkeit der Brustwand ist die zweite Variable, die in der Literatur immer wieder mit dem Ergebnis in Verbindung gebracht wird. In jüngeren Altersgruppen ist der Knorpel elastischer, wodurch das Anheben der Brustwand durch die Saugglocke deutlicher ausfallen kann; im Erwachsenenalter ist die Brustwand steifer, sodass dasselbe Gerät anders wirken kann [3]. Deshalb lässt sich die Frage, für wen die Behandlung geeignet ist, nicht pauschal beantworten. Sie wird gemeinsam mit Alter, Elastizität, Schweregrad der Fehlbildung und der ärztlichen Einschätzung beantwortet.

Die Passform gehört außerdem nicht nur zur ersten Anprobe, sondern auch zur laufenden Kontrolle. Gerade im Kindes- und Jugendalter wächst der Brustkorb weiter, sodass die anfangs gewählte Größe nach einigen Monaten nicht mehr die beste Wahl sein muss. Ob sie es noch ist, wird bei den regelmäßigen Kontrollterminen erneut beurteilt. Die Größenfrage endet also nicht mit einer einzigen Messung, sondern begleitet die gesamte Behandlung.

Die sieben Größen der Gvacuum Vacuum Bell

Die Gvacuum Vacuum Bell wird in sieben anatomischen Größen angeboten, damit sie unterschiedlichen Brustkorbformen angepasst werden kann. Dieser Ansatz mit mehreren Größen entspricht dem in der Literatur betonten Grundsatz der patientenindividuellen Passform: Es geht nicht darum, allen dieselbe Standardgröße zu geben, sondern darum, die Option zu finden, die den Maßen der jeweiligen Brustwand am nächsten kommt. Die Bestimmung der richtigen Größe ist ein Schritt, der gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt erfolgt — vor allen weiteren Überlegungen.

Der Körper des Geräts besteht aus medizinischem Silikon und verfügt über einen Airlock-Mechanismus, der ein sichereres Anliegen an der Brustwand unterstützen soll. Der Lufteinlass ist abgewinkelt positioniert und am Schlauchansatz verstärkt ausgeführt, die Pumpe ist mit einem dickeren Gehäuse gefertigt. Das sind konstruktive Entscheidungen, die die physische Haltbarkeit und die Dichtigkeit des Vakuums bei täglicher, wiederholter Anwendung unterstützen sollen; eine Aussage über Erfolgsquoten oder eine Ergebnisgarantie ist damit nicht verbunden.

Anwendung und Lieferumfang

Im Lieferumfang der Gvacuum Vacuum Bell befinden sich eine Ersatzpumpe, ein Ersatzschlauch, eine Transporttasche und ein hölzernes Tiefenmaß, die die Kontinuität der täglichen Anwendung unterstützen sollen. Das Tiefenmaß ist ein einfaches, praktisches Hilfsmittel, mit dem Ärztinnen, Ärzte oder Familien Veränderungen der Einsenkung über die Zeit verfolgen können; es ersetzt die klinische Beurteilung nicht, sondern ergänzt sie als Beobachtungshilfe. Für das Produkt gilt eine zweijährige Garantie.

Große Serien in der Literatur berichten über einen Zusammenhang zwischen dem Alter bei Therapiebeginn, der Dauer der Anwendung und dem Ergebnis. In einer neueren retrospektiven Arbeit wurde berichtet, dass bei Patientinnen und Patienten, die im Alter von 11 Jahren oder jünger begannen und das Gerät länger als 24 Monate anwendeten, günstigere Werte bei Maßen der Brustkorbeinsenkung — etwa dem Haller-Index — beschrieben wurden; dieselbe Arbeit empfahl, eine einzelne Anwendung nicht über zwei Stunden auszudehnen und zwischen den Einheiten eine kurze Pause einzulegen [4]. Das ist kein produktspezifischer Befund, sondern ein Muster, das für die Saugglockentherapie insgesamt beschrieben wird. Neben der richtigen Größe zählen also auch die Einhaltung des empfohlenen Anwendungsrhythmus und die Behandlungsdauer.

Ersatzpumpe und Ersatzschlauch im Lieferumfang sollen verhindern, dass kleine Alltagsprobleme den Behandlungsablauf unterbrechen. Bei einer Therapie, die sich über Monate erstreckt, ist der ununterbrochene Zugriff auf ein funktionierendes Gerät ein praktischer Vorteil, wenn der Anwendungsrhythmus beibehalten werden soll.

Was passiert bei einer falschen Größe?

Eine Größe, die nicht zur Anatomie passt, zeigt sich am häufigsten als Komfortproblem und als unwirksame Vakuumanwendung. Wenn die Glocke nicht vollständig auf der Brustwand aufliegt, kann es schwieriger werden, das Vakuum zu halten, und die Anwendung kann im Alltag als unangenehm empfunden werden. Hier gilt ein Grundsatz, der aus der Orthesenbehandlung allgemein bekannt ist: Ein unbequemes Hilfsmittel erschwert es, die empfohlene Trage- und Anwendungsdauer einzuhalten — und das kann die Berechenbarkeit der Behandlung beeinflussen.

Ein zweites Risiko ist, dass die Motivation im Lauf der Zeit nachlässt, besonders bei Kindern und Jugendlichen. Wer das Gerät nicht bequem anwenden kann, hält den empfohlenen Rhythmus schwerer durch; da die langfristige Fortführung in der Literatur zu den Faktoren gehört, die mit dem Ergebnis in Verbindung gebracht werden, kann daraus eine Kettenwirkung entstehen [4]. Eine unpassende Größe ist deshalb nicht nur eine momentane Unannehmlichkeit, sondern ein Faktor, der den gesamten Behandlungsverlauf beeinflussen kann.

Aus diesem Grund ist die Größenauswahl keine Entscheidung anhand eines Produktkatalogs, sondern eine klinische Entscheidung. Vermessung der vorderen Brustwand, Alter und Schweregrad der Fehlbildung werden gemeinsam beurteilt; im weiteren Verlauf werden Größe oder Einstellung bei Bedarf erneut überprüft.

Für wen kommt die Behandlung infrage?

In der Literatur wird die Saugglocke überwiegend bei leichter bis mittelgradiger Trichterbrust mit noch elastischer Brustwand betrachtet. Wegen dieser Elastizität steht die jüngere Altersgruppe — Kindheit und Jugend — am häufigsten im Fokus, es gibt jedoch auch Serien zur Anwendung bei Erwachsenen [2]. Die endgültige Entscheidung über die Eignung setzt eine klinische Beurteilung mit körperlicher Untersuchung und Bildgebung voraus; dieser Beitrag ersetzt diese Beurteilung nicht.

Manche Familien betrachten die Saugglocke als eigenständige Alternative zur Operation, andere als ergänzendes Verfahren vor oder nach einem Eingriff. Beide Anwendungsformen sind in der Literatur beschrieben. Welche Variante für eine Patientin oder einen Patienten geeigneter ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt unter Berücksichtigung des Zustands der Brustwand und der Behandlungsziele.

Fragen zur Größe kommen häufig auf, und das Pectuslab-Team kann Familien und Patientinnen und Patienten, die sich melden, dazu Auskunft geben. Die endgültige Entscheidung über Größe und Anwendung wird immer gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt getroffen, die oder der die Patientin oder den Patienten beurteilt.

Zum Prozess gehört auch, realistische Erwartungen aufzubauen. Die in der Literatur berichteten Ergebnisse variieren von Person zu Person, und weder ein einzelnes Gerät noch eine bestimmte Größe kann ein festes Ergebnis garantieren; eine solche Aussage dürfte erst nach wissenschaftlicher und regulatorischer Prüfung öffentlich geteilt werden. Größenauswahl und Anwendungsplan sollten deshalb anhand der eigenen Daten — Alter, Brustmaße, Ausmaß der Einsenkung — und begleitet von regelmäßiger klinischer Kontrolle entwickelt werden.

Häufige Fragen

Kann ich die Größe der Saugglocke zu Hause selbst ausmessen?

Da die Größenauswahl auf der Vermessung der vorderen Brustwand beruht, kann eine zu Hause geschätzte Größe dazu führen, dass die Glocke nicht vollständig auf der Anatomie aufliegt. Die Größe sollte deshalb gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt beziehungsweise im Rahmen einer klinischen Beurteilung festgelegt werden.

Kann ich allein herausfinden, welche der sieben Größen zu mir passt?

Eine allgemeine Orientierung ist möglich, die genaue Größe hängt jedoch von der Vermessung der vorderen Brustwand und den Merkmalen der Fehlbildung ab. Die endgültige Auswahl gehört deshalb zur klinischen Beurteilung.

Ändert sich die Größe, während mein Kind wächst?

Bei Patientinnen und Patienten im Wachstum können sich die Maße des Brustkorbs über die Zeit verändern. Deshalb wird empfohlen, bei den regelmäßigen Kontrollen ärztlich überprüfen zu lassen, ob die Größe noch passt.

Kann eine falsche Größe schaden?

Eine falsche Größe stellt für sich genommen keine Gefahr dar, kann aber den Komfort und das wirksame Halten des Vakuums beeinträchtigen. In diesem Fall wird empfohlen, Größe oder Einstellung zu überprüfen.

Fazit

Die richtige Größe ist bei der Saugglockentherapie kein technisches Detail des Geräts, sondern eine klinische Entscheidung, die die Verlässlichkeit der Behandlung beeinflusst. Die Literatur zeigt, dass sowohl Alter und Beweglichkeit der Brustwand als auch der tägliche Anwendungsrhythmus zu den Variablen gehören, die mit dem Ergebnis zusammenhängen. Die sieben anatomischen Größen der Gvacuum Vacuum Bell, das medizinische Silikon und die mitgelieferten Ersatzteile sind konstruktive Entscheidungen, die diese Grundsätze in die tägliche Anwendung übertragen sollen. Die zentrale Botschaft für Patientinnen, Patienten und Familien lautet: Die richtige Größe wird gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt bestimmt — vor allen weiteren Schritten.

Quellen

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