Wie wird eine begleitende leichte Skoliose bei Pectus-Patienten überwacht?
- vor 23 Stunden
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Bei Patientinnen und Patienten, die wegen Kielbrust oder Trichterbrust in Behandlung sind, fällt manchmal zusätzlich eine leichte Verkrümmung der Wirbelsäule (Skoliose) auf. Das ist in der Fachliteratur kein seltener Zufall: Da sich Brustkorb und Wirbelsäule im selben Wachstumsprozess entwickeln, wird dieses gemeinsame Auftreten als erwartbare Assoziation beschrieben [1] [2].
Auf unserer Seite haben wir bereits einen Beitrag veröffentlicht, der den allgemeinen Zusammenhang zwischen Pectus-Deformität und Skoliose behandelt. Dieser Beitrag widmet sich einer anderen Frage: Wie läuft die Überwachung in der Praxis ab, wenn beide Befunde gleichzeitig vorliegen?
Dieser Beitrag enthält keine patientenspezifische Diagnose, keinen Schweregrad und keine Behandlungsempfehlung; die dargestellten Informationen stammen aus veröffentlichter wissenschaftlicher Literatur. Eine individuelle Beurteilung kann ausschließlich durch eine ärztliche Untersuchung erfolgen.
Warum können Kielbrust/Trichterbrust und Skoliose gemeinsam auftreten?
Brustbein (Sternum), Rippenknorpel und Wirbelsäule entwickeln sich während des Wachstums als miteinander verbundenes Skelettsystem. In der Literatur wird beschrieben, dass eine Deformität der vorderen Brustwand auch zu einer Rotation der Brustwirbel (thorakale Wirbel) führen kann - die beiden Strukturen entwickeln sich im Wachstum also nicht völlig unabhängig voneinander [3].
Deshalb gilt es als in der Literatur empfohlener allgemeiner Ansatz, bei Patienten mit Pectus-Deformität auch die Wirbelsäule zu überprüfen [1] [3]. Das bedeutet nicht, dass jeder Pectus-Fall zwangsläufig mit einer Skoliose einhergeht - es zeigt lediglich, dass beide Befunde über denselben Wachstumsmechanismus zusammenhängen können.
Wie häufig treten beide Befunde gemeinsam auf?
Eine systematische Übersichtsarbeit, die 48 Studien zusammenfasst, berichtet für Patienten mit Pectus-Deformität eine durchschnittliche Häufigkeit der adoleszenten idiopathischen Skoliose (AIS) von etwa 13,1 % [1].
Eine kleinere bildgebende Studie diagnostizierte bei 8 von 54 Patienten mit Trichterbrust (etwa 14,8 %) eine AIS und zeigte, dass die Deformation der vorderen Brustwand mit einer Rotation der Brustwirbel einherging [3].
Diese Zahlen bedeuten nicht, dass "jeder Patient mit Pectus-Deformität auch eine Skoliose hat" - im Gegenteil, bei den meisten Patienten liegt keine begleitende Skoliose vor. Die Häufigkeit ist jedoch zu hoch, um sie allein durch Zufall zu erklären - deshalb empfiehlt die Literatur, im Rahmen der Pectus-Nachsorge auch die Wirbelsäule zu beobachten [1] [3].
Was fällt zuerst auf? Der zeitliche Unterschied
Laut derselben systematischen Übersichtsarbeit wird die Pectus-Deformität in der Regel früher in der Adoleszenz bemerkt als die Skoliose; Fälle, in denen beide Befunde gemeinsam berichtet wurden, betrafen häufiger ältere Patienten [1].
Dieser zeitliche Unterschied kann in der Praxis bedeuten: Eine Familie bemerkt zunächst die Veränderung am Brustkorb und stellt sich deshalb vor, während die Wirbelsäulenverkrümmung erst später, mit fortschreitendem Wachstum, sichtbar wird. Statt einer einmaligen Beurteilung wird daher eine regelmäßige Kontrolle beider Strukturen während der gesamten Wachstumsphase vorgesehen.
Der Zusammenhang zwischen Sternum-Rotation und Wirbelsäule
In einer Studie an Patienten mit asymmetrischer Brustwanddeformität wurde eine starke Korrelation zwischen dem Rotationswinkel des Brustbeins und dem Ausmaß der Brustwandasymmetrie festgestellt (r=0,796) [4]. Das zeigt, dass die Rotation der vorderen Brustwand nicht zufällig ist, sondern einem messbaren Muster folgt.
In derselben Studie wurde außerdem berichtet, dass dieser Rotationswinkel mit fortschreitendem Wachstum - insbesondere im Alter von etwa 10-12 Jahren - zunimmt [4]. Da die Rotation der Brustwirbel möglicherweise mit einer ähnlichen Wachstumsdynamik zusammenhängt, lässt sich vermuten, dass sich beide Strukturen im Zeitverlauf gemeinsam verändern können [3] [4].
Warum ist die gemeinsame Überwachung beider Befunde wichtig?
Pectus-Deformität und Skoliose werden von unterschiedlichen Fachrichtungen beurteilt - die eine konzentriert sich auf die Brustwand, die andere auf die Wirbelsäule. Liegen beide Befunde gleichzeitig vor, ist es wichtig, dass diese beiden Beurteilungen koordiniert erfolgen, damit bei der Kontrolle des einen Befunds der andere nicht übersehen wird.
Wird beispielsweise bei einem Patienten, der regelmäßig wegen der Pectus-Deformität zur Kontrolle kommt, eine Wirbelsäulenverkrümmung nicht bemerkt, kann deren Fortschreiten unbeobachtet bleiben. Ebenso kann bei einem Patienten, der nur wegen der Skoliose beobachtet wird, eine Veränderung der Brustwand übersehen werden.
Die Wachstumsphase ist für beide Befunde eine kritische Zeit. Da die Literatur zeigt, dass sich die Sternum-Rotation mit beschleunigtem Wachstum verändern kann [4], gilt es als sinnvoller Ansatz, die Kontrollfrequenz an die jeweilige Wachstumsphase des Patienten anzupassen - etwa häufigere Kontrollen in Phasen schnellen Wachstums.
Das gleichzeitige Auftreten beider Befunde kann für Familien und jugendliche Patienten eine zusätzliche Belastung darstellen; die Sorge um das äußere Erscheinungsbild kann stärker empfunden werden, wenn zwei Strukturen gleichzeitig betroffen sind. An dieser Stelle kann es hilfreich sein, sowohl die körperliche Beurteilung als auch das persönliche Erleben dieses Prozesses mit einer Fachärztin oder einem Facharzt zu besprechen.
Bei Pectuslab wurde außerdem ein Design entwickelt, das die Gpad Pectus-carinatum-Orthese und die Yuxel Lomber Ortez in einem einzigen Produkt vereint - für Patienten, die neben der Brustwandbehandlung auch eine Unterstützung im unteren Rumpf-/Lendenbereich benötigen. Das zeigt, dass anstelle von zwei getrennten Hilfsmitteln auch ein integrierter Ansatz möglich sein kann; für welche Patienten dieses bislang auf dem Markt einzigartige Design geeignet ist, lässt sich - wie immer - nur durch eine fachärztliche Beurteilung feststellen.
Was wird bei der Nachsorge beurteilt?
Auf der Pectus-Seite wird der Schweregrad der Brustwanddeformität in der Regel anhand des Haller-Index und von Asymmetrie-Kriterien beurteilt [4]. Auf der Wirbelsäulen-Seite wird der Grad der Skoliose über den Cobb-Winkel ausgedrückt; beide Messgrößen ersetzen sich nicht gegenseitig, sondern werden getrennt verfolgt.
Bildgebende Verfahren (etwa Computertomographie oder Röntgen) können zur Beurteilung beider Strukturen eingesetzt werden; welches Verfahren wie häufig zur Anwendung kommt, legt die Ärztin oder der Arzt anhand von Alter, Wachstumsphase und Befund des Patienten fest [1] [3].
Die Häufigkeit der Kontrollen ist in der Literatur nicht durch eine feste Zahl vorgegeben, sondern wird von der behandelnden Fachperson anhand von Alter, Wachstumsphase und Schweregrad der Ausgangsbefunde individuell festgelegt. Bei manchen Patienten kann eine jährliche Kontrolle ausreichen, während bei rascher Veränderung kürzere Abstände empfohlen werden können.
Als Pectuslab bieten wir allgemeine Informationen und Orientierungshilfe zu Brustwanddeformitäten an; liegen Pectus-Deformität und Skoliose gemeinsam vor, ist für eine verbindliche Beurteilung immer die direkte Vorstellung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt notwendig - das kann eine Thoraxchirurgin bzw. ein Thoraxchirurg, eine Kinderchirurgin bzw. ein Kinderchirurg, eine Orthopädin bzw. ein Orthopäde oder eine Physiotherapeutin bzw. ein Physiotherapeut sein; welche Fachrichtung vorrangig ist, hängt vom jeweiligen Befund ab, gegebenenfalls erfolgt die Beurteilung durch mehrere Fachrichtungen gemeinsam.
Beeinflusst die Pectus-Behandlung die Skoliose - und umgekehrt?
Eine Übersichtsarbeit zur operativen Pectus-Korrektur berichtet, dass eine im höheren Alter durchgeführte Pectus-Operation nicht mit einer postoperativen Zunahme des Cobb-Winkels in Verbindung gebracht wurde und dass bei Patienten mit hohem Cobb-Winkel der Cobb-Winkel in einer begrenzten Datenmenge nach der Pectus-Korrektur nicht zunahm [1] [2]. Diese Befunde beziehen sich auf die operative Pectus-Korrektur.
Für nicht-operative Ansätze (etwa Vakuumglocke oder Orthese) liegt keine vergleichbar umfangreiche Literatur vor; es gibt keinen Hinweis darauf, dass solche Produkte einen Einfluss auf die Wirbelsäulenverkrümmung haben, und dieser Beitrag stellt eine solche Behauptung auch nicht auf. Wie die Pectus-Behandlung bei einem Patienten mit gleichzeitiger Skoliose geplant wird, legen die beide Befunde beurteilenden Fachpersonen jeweils gesondert fest.
Für die Wirbelsäule haben wir eine eigene Informationsquelle
Pectuslab ist auf dem Gebiet der Brustwanddeformitäten (Kielbrust, Trichterbrust, abstehende Rippen) tätig. Da Wirbelsäulenverkrümmungen (Skoliose, Kyphose) und Lendenstützprodukte eine andere Fachrichtung und eine eigene Produktlinie erfordern, stellen wir unsere Informationen und Produkte in diesem Bereich (einschließlich der Yuxel Skoliose-Orthese) über eine separate Quelle bereit: [skolyozorteztedavisi.com](https://www.skolyozorteztedavisi.com). Ausführliche Informationen zur Wirbelsäulenverkrümmung finden sich dort; in diesem Beitrag werden keine produktspezifischen Aussagen (Eignung, Größe, Erfolgsquote) getroffen.
Wann sollte eine Fachärztin oder ein Facharzt aufgesucht werden?
Fällt im Rahmen der Pectus-Nachsorge eine deutliche Wirbelsäulenverkrümmung, eine erkennbare Asymmetrie in Schulter- oder Hüfthöhe oder ein Befund wie Rückenschmerzen auf, ist eine zusätzliche fachärztliche Abklärung ein naheliegender nächster Schritt - infrage kommen Thoraxchirurgie, Kinderchirurgie, Orthopädie oder Physiotherapie; welche Fachrichtung vorrangig ist, hängt vom jeweiligen Befund ab.
Häufig gestellte Fragen
Warum sollte jemand, der wegen einer Pectus-Deformität behandelt wird, auch auf Skoliose untersucht werden?
Die Literatur berichtet, dass eine adoleszente idiopathische Skoliose bei Patienten mit Pectus-Deformität im Durchschnitt in etwa 13-15 % der Fälle gemeinsam auftritt [1] [3]. Das bedeutet nicht, dass beide Befunde häufig verwechselt werden, ist aber ein Anteil, der es rechtfertigt, im Rahmen der Pectus-Nachsorge auch die Wirbelsäule im Blick zu behalten.
Kann bei einem Patienten mit Skoliose eine Pectus-Behandlung (Vakuumglocke/Orthese) angewendet werden?
Das ist eine Frage, die die behandelnde Fachperson anhand der individuellen Befunde und des Skoliose-Schweregrads beurteilen muss; im Rahmen dieses Beitrags wird keine Eignungsaussage getroffen. Liegen beide Befunde gemeinsam vor, wird der Behandlungsplan durch eine gemeinsame Beurteilung der jeweils zuständigen Fachrichtungen festgelegt.
Fazit
Das gemeinsame Auftreten von Pectus-Deformität und leichter Skoliose ist in der Literatur ein erwartbarer und vergleichsweise häufig berichteter Befund. Entscheidend ist, dass beide Strukturen getrennt, aber koordiniert überwacht und während der gesamten Wachstumsphase in regelmäßigen Abständen beurteilt werden. Die endgültige Diagnose, die Kontrollfrequenz und der Behandlungsplan werden stets durch eine fachärztliche Untersuchung festgelegt.
Quellen
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