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Welchen Sport können Menschen mit Pectus excavatum oder carinatum treiben?

vor 1 Tag
6 Min. Lesezeit

Viele junge Menschen und Familien mit Pectus excavatum, Pectus carinatum oder abstehenden Rippen stellen eine ähnliche Frage: „Kann ich mit dieser Fehlbildung Sport treiben, oder muss ich vorsichtig sein?“ Das ist eine sehr verbreitete Sorge bei Patienten und Eltern gleichermaßen.​‌​‌​​​​​‌​​​‌​‌​‌​​​​‌‌​‌​‌​‌​​​‌​‌​‌​‌​‌​‌​​‌‌​‌​​‌‌​​​‌​​​​​‌​‌​​​​‌​ Eine 2026 veröffentlichte Übersichtsarbeit fasste 31 Studien zur Belastbarkeit bei nicht operierten Pectus-excavatum-Patienten zusammen und wertete Daten von insgesamt rund 3.000 Patienten aus [1].

Die Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit zeigen, dass sich das Thema nicht in einem Satz zusammenfassen lässt. In den untersuchten Studien lag die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) in einem weiten Bereich zwischen etwa 62 % und 101 % des erwarteten Wertes [1]. Das deutet darauf hin, dass bei manchen Pectus-excavatum-Patienten eine echte, vor allem mit der Herz-Kreislauf-Leistung zusammenhängende Einschränkung der Belastbarkeit vorliegen kann - aber eben nicht bei allen. Der Schweregrad der Fehlbildung, das Ausmaß der betroffenen Brustwand und die allgemeine Fitness der Person beeinflussen dieses Bild.

Pectus-carinatum-Orthesen werden für Sport, Schwimmen und Duschen in der Regel abgelegt.

Ein weiterer wichtiger Punkt vorab: Die Literatur stellt auch die verbreitete Annahme infrage, eine chirurgische Korrektur verbessere die Belastbarkeit automatisch - darauf gehen wir weiter unten gesondert ein. In diesem Beitrag geht es um den allgemeinen Rahmen für Sport und körperliche Aktivität bei Pectus excavatum, Pectus carinatum und abstehenden Rippen, darum, in welchen Situationen besondere Vorsicht angebracht ist, und wann sich eine fachärztliche Abklärung lohnt - jeweils auf Grundlage der verfügbaren Literatur. Ziel ist nicht, Sport unnötig einzuschränken, sondern einen sicheren, informierten Umgang damit zu unterstützen.

Ist die Belastbarkeit bei Pectus excavatum wirklich eingeschränkt?

Ob Pectus excavatum die sportliche Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, wird in der Sportkardiologie seit Langem diskutiert. Eine aktuelle Übersichtsarbeit weist darauf hin, dass Pectus excavatum trotz seiner Häufigkeit als häufigste Brustwandfehlbildung in der Sportmedizin oft nicht ausreichend erkannt wird [2]. Laut derselben Übersichtsarbeit können bei manchen Sportlerinnen und Sportlern unter Belastung Atemnot, Brustschmerzen, Herzklopfen oder Schwindel auftreten [2].

Das Auftreten solcher Beschwerden bedeutet nicht, dass sie bei jedem gleich stark ausfallen oder zwingend auf ein ernstes Problem hindeuten. Bei den meisten leichten bis mittelschweren Fällen von Pectus excavatum lassen sich Alltagsaktivität und die meisten Sportarten problemlos fortsetzen. Wichtig ist trotzdem, Beschwerden wahrzunehmen statt sie zu übergehen - besonders solche, die unter Belastung auftreten und sich durch Ruhe nicht bessern; sie sollten ärztlich abgeklärt werden.

Verbessert eine Operation die Belastbarkeit automatisch?

Eine unter Familien verbreitete Annahme ist, dass die chirurgische Korrektur des Brustbeins automatisch auch die sportliche Leistungsfähigkeit verbessert. Eine 2025 veröffentlichte umfassende systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse stützt diese Annahme jedoch nicht: Nach der chirurgischen Korrektur wurde keine statistisch oder klinisch bedeutsame Verbesserung des VO2max festgestellt [3].

Das bedeutet nicht, dass die Operation nutzlos ist; die Entscheidung dafür wird meist auch aus anderen Gründen getroffen - Struktur der Brustwand, Komfort, in manchen Fällen ein Druckgefühl im Brustkorb. Die aktuelle wissenschaftliche Evidenz stützt aber nicht die Erwartung „Nach der Operation wird meine sportliche Leistung sicher besser“ - die Forschenden selbst fordern hier eine vorsichtige, realistische Kommunikation [3]. Dieselbe Zurückhaltung gilt auch für konservative, nicht-operative Verfahren - keine Behandlungsmethode kann eine sportliche Leistungssteigerung garantieren.

Ist die Lage bei abstehenden Rippen und Pectus carinatum anders?

Die bisher genannten wissenschaftlichen Daten betreffen vor allem Pectus excavatum und die Herz-Lungen-Leistung unter Belastung. Bei Pectus carinatum und abstehenden Rippen ist die Situation etwas anders: Hier wölben sich Brustbein oder Rippen nach außen statt nach innen einzusinken, sodass der bei Pectus excavatum beschriebene Druckmechanismus auf Lunge und Herz in der Regel nicht vorliegt. Es gibt keine starke Evidenz dafür, dass diese beiden Formen die sportliche Leistungsfähigkeit direkt einschränken.

Im Vordergrund steht bei Pectus carinatum und abstehenden Rippen beim Sport eher der Komfort und der Umgang mit der Behandlung. Wer zum Beispiel eine Orthese trägt, sollte daran denken, sie vor dem Sport abzulegen; eng anliegende Sportkleidung kann bei manchen Menschen die Vorwölbung im Brustbereich deutlicher hervortreten lassen. Das ist eher eine Frage des persönlichen Komforts als eine medizinische Einschränkung.

Welche Sportarten gelten allgemein als geeignet?

Im Allgemeinen können die meisten Menschen mit leichtem bis mittelschwerem Pectus excavatum, Pectus carinatum oder abstehenden Rippen Schwimmen, Gehen, Radfahren, Laufen und Krafttraining mit niedriger bis moderater Intensität problemlos fortsetzen. Diese Sportarten bergen kaum das Risiko eines plötzlichen oder direkten Aufpralls auf die Brustwand und sind deshalb meist weniger bedenklich. Schwimmen wird besonders häufig empfohlen, da es sich unterstützend auf die Atmung auswirkt.

Bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum wird die Teilnahme am Sport in der Regel gefördert; die gut belegten Vorteile körperlicher Aktivität für die allgemeine Gesundheit, die Entwicklung des Bewegungsapparats und das Selbstvertrauen gelten unabhängig vom Vorliegen einer Pectus-Fehlbildung. Die Teilnahme am Schulsport und an Mannschaftssportarten sollte ohne einen klaren gegenteiligen medizinischen Befund nicht unnötig eingeschränkt werden.

Mit zunehmendem Schweregrad der Fehlbildung oder beim Auftreten von Beschwerden unter Belastung gewinnt eine individuelle Einschätzung bei der Wahl von Sportart und -intensität an Bedeutung. Statt einer für alle gültigen Liste empfiehlt sich hier eine Einschätzung, die den Schweregrad der Fehlbildung und mögliche Belastungssymptome berücksichtigt.

Kontaktsport und die Zeit nach der Operation: Worauf achten?

Sportarten mit hohem Körperkontakt oder Kollisionsrisiko wie American Football, Rugby oder Kampfsport erfordern eine gesonderte Beurteilung, besonders bei Menschen, die wegen Pectus excavatum operiert wurden (z. B. mit der Nuss-Methode). Damit sich der eingesetzte Korrekturbügel während der Heilung nicht verschiebt, wird die Rückkehr zu solchen Sportarten meist schrittweise und unter ärztlicher Kontrolle geplant. Wann genau und unter welchen Bedingungen zu Kontaktsport zurückgekehrt werden kann, hängt von der Operationstechnik, der verwendeten Fixierungsmethode und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Statt einer festen Frist ist es daher richtiger zu betonen, dass diese Entscheidung gemeinsam mit dem operierenden Chirurgen getroffen werden sollte.

Bei Menschen ohne Operation, unter konservativer Behandlung oder ohne jede Behandlung besteht keine vergleichbare chirurgisch bedingte Einschränkung für Kontaktsport. Schmerzen im Brustbereich, ungewöhnliche Atemnot oder Herzklopfen unter Belastung sollten aber unabhängig von der Sportart ernst genommen werden.

Sport mit Orthese oder Vakuumglocke - geht das?

Bei Menschen in konservativer Behandlung - etwa mit einer Pectus-carinatum-Orthese wie Gpad oder einer Vakuumglocke wie Gvacuum - stellt sich häufig die Frage, ob das Hilfsmittel beim Sport getragen werden kann. Übliche klinische Praxis bei Pectus-carinatum-Orthesen ist, das Hilfsmittel den größten Teil des Tages wie empfohlen zu tragen, es aber für Sport, Schwimmen und Duschen abzulegen. Das wird meist so geplant, dass diese Zeit nicht von der täglichen Tragezeit abgezogen wird - die verbleibenden Stunden werden einfach normal weitergetragen.

Für die Vakuumglocke gilt eine ähnliche Logik. Da das Gerät einen kontrollierten Unterdruck auf die Brustwand ausübt, wird es in festen Sitzungen im Sitzen oder in Ruhe verwendet; während intensiver körperlicher Aktivität wird das Tragen in der Regel nicht empfohlen. Wann genau das Gerät rund um den Sport an- und abgelegt wird, sollte je nach Modell und nach Empfehlung des behandelnden Facharztes geplant werden.

Wann sollte man einen Facharzt aufsuchen?

Bestimmte Beschwerden während oder nach körperlicher Aktivität sollten nicht als gewöhnliche Erschöpfung abgetan werden. Dazu zählen Brustschmerzen, ungewöhnliches Herzklopfen, Atemnot weit über das erwartete Maß hinaus, Schwindel oder ein Ohnmachtsgefühl [2]. Beim Auftreten solcher Beschwerden sollte die Aktivität zunächst selbst unterbrochen und der Sachverhalt einem Facharzt geschildert werden.

Je nach Fall können ein Thoraxchirurg, ein Kinderchirurg, ein Orthopäde oder ein Physiotherapeut in die Abklärung einbezogen werden; bei belastungsabhängigen Brustschmerzen oder Herzklopfen kann auch eine kardiologische Untersuchung erforderlich sein. Welches Fachgebiet am besten geeignet ist, hängt von den Beschwerden und dem Alter der Person ab.

Häufig gestellte Fragen

Kann jemand mit Pectus excavatum schwimmen?

Ja - Schwimmen gehört bei leichtem bis mittelschwerem Pectus excavatum in der Regel zu den empfohlenen Aktivitäten und wird als atmungsunterstützend angesehen. Treten unter Belastung Brustschmerzen, ungewöhnliche Atemnot oder Herzklopfen auf, lohnt sich eine fachärztliche Abklärung.

Wann kann man nach einer Operation wieder Sport treiben?

Das ist von Person zu Person, je nach Operationstechnik und Heilungsverlauf unterschiedlich; die Rückkehr zu Kontakt- oder Kollisionssportarten erfordert meist eine längere Wartezeit und die Freigabe durch den Chirurgen. Für eine genaue Zeitangabe sollte der operierende Chirurg befragt werden.

Kann jemand mit abstehenden Rippen Gewichte heben?

Abstehende Rippen gelten meist als strukturelle Besonderheit des äußeren Erscheinungsbilds; es gibt keine starke Evidenz dafür, dass sie allein intensives Training ausschließen. Bei deutlichem Unwohlsein oder Schmerzen während des Trainings lohnt sich dennoch eine fachärztliche Abklärung.

Fazit

Viele Menschen mit Pectus excavatum, Pectus carinatum oder abstehenden Rippen können die meisten Sportarten sicher weiter ausüben. Die Literatur zeigt, dass bei manchen Patientinnen und Patienten ein messbarer Unterschied in der Belastbarkeit bestehen kann, dieser sich aber nicht verallgemeinern lässt. Für Familien kommt es vor allem darauf an, Sport nicht unnötig einzuschränken, auf Beschwerden unter Belastung zu achten und in besonderen Situationen wie Kontaktsport oder der Zeit nach einer Operation gemeinsam mit einem Facharzt zu entscheiden.

Quellen

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