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Abstehende Rippen im Erwachsenenalter: Was ist noch möglich?

vor 2 Stunden
6 Min. Lesezeit

Erwachsene, die seit der Kindheit oder erst kürzlich abstehende Rippen bei sich bemerken, stellen häufig dieselbe Frage: Ist es zu spät, um noch etwas zu unternehmen?​‌​‌​​​​​‌​​​‌​‌​‌​​​​‌‌​‌​‌​‌​​​‌​‌​‌​‌​‌​‌​​‌‌​‌​​‌‌​​​‌​​​​​‌​‌​​​​‌​ Der nach außen oder vorne abstehende untere Rand des Brustkorbs - umgangssprachlich Rippenflare genannt - wird meist im Zusammenhang mit Kindern und Jugendlichen besprochen; deutlich weniger ist darüber bekannt, wie dasselbe Erscheinungsbild im Erwachsenenalter beurteilt werden sollte.

Die strukturelle Grundlage von Brustwanddeformitäten wird in der medizinischen Literatur seit Langem untersucht. Eine Übersichtsarbeit zu den anatomischen und histologischen Merkmalen angeborener Brustwanddeformitäten berichtet, dass ein abnormes Wachstum des Rippenknorpels und Unterschiede in der Kollagenstruktur diesen Zustandsbildern zugrunde liegen und dass sich die mechanischen Eigenschaften dieses Gewebes mit dem Alter verändern [1]. Eine umfassende klinische Übersichtsarbeit zu Pectus excavatum weist ebenfalls darauf hin, dass die Brustwand während des Wachstums vergleichsweise flexibel ist, dass Knorpel und Knochen mit der Reifung des Skeletts steifer werden und dass sich Behandlungsansätze entsprechend am Alter der Patientin oder des Patienten orientieren [2].

Haltungsunterstützende Produkte gehören zu den Optionen, die im Erwachsenenalter für mehr Komfort in Betracht gezogen werden können.

In diesem Beitrag betrachten wir, warum abstehende Rippen, die im Erwachsenenalter bemerkt werden oder fortbestehen, eine andere Art der Beurteilung erfordern, welche konservativen Schritte im späteren Lebensalter infrage kommen können, wann eine chirurgische Beurteilung relevant wird und wann der Gang zu einer Fachärztin oder einem Facharzt sinnvoll ist. Ziel ist nicht, ein festes Behandlungsrezept vorzugeben, sondern erwachsenen Patientinnen und Patienten zu helfen, das Thema mit realistischen Erwartungen zu betrachten.

Warum abstehende Rippen bei Erwachsenen anders beurteilt werden

Nach Abschluss des Wachstums ist die Struktur des Brustkorbs weitgehend festgelegt. Während Kindheit und Jugend ist das Knorpelgewebe vergleichsweise flexibel und für eine Umformung empfänglicher; deshalb können in dieser Phase angewandte konservative Ansätze parallel zum Wachstum des Knorpels selbst verlaufen. Im Erwachsenenalter haben Knochen- und Knorpelanteile des Brustkorbs ihre Reife erreicht - das bedeutet nicht, dass nichts mehr getan werden kann, wohl aber, dass Erwartungen und Vorgehen anders gerahmt werden müssen als in den Wachstumsjahren.

Das hat eine praktische Konsequenz für Patientinnen und Patienten: Eine Beurteilung fortbestehender abstehender Rippen im Erwachsenenalter konzentriert sich meist weniger auf eine 'Umformung' des Knorpels als vielmehr darauf, wie mit der bestehenden Struktur funktionell und ästhetisch am besten umgegangen werden kann. Das verändert sowohl den Rahmen konservativer Optionen als auch das, was von einem Facharztbesuch realistischerweise erwartet werden sollte. Es ist zudem hilfreich zu wissen, dass ein im Erwachsenenalter bemerktes Erscheinungsbild nicht zwangsläufig neu ist - häufig besteht es bereits seit der Kindheit, wurde aber nicht bemerkt oder nicht als relevant erachtet.

Was altersbedingte Veränderungen des Knorpelgewebes bedeuten

Die Kollagenstruktur des Rippenknorpels verändert sich mit dem Alter. Wie die oben zitierte Übersichtsarbeit hervorhebt, verändern sich die histologischen Eigenschaften des Knorpels bei angeborenen Brustwanddeformitäten im Laufe der Zeit, und dieses Gewebe kann im Erwachsenenalter im Vergleich zur Kindheit weniger vorhersehbar auf äußeren Druck reagieren [1]. Das bedeutet, dass bei im Erwachsenenalter verwendeten unterstützenden Produkten (Orthese, Bandage) nicht dieselbe vorhersehbare Umformung wie in den Wachstumsjahren angenommen werden sollte.

Das bedeutet jedoch nicht, dass im Erwachsenenalter kein konservativer Schritt sinnvoll ist. Der Zusammenhang zwischen Haltung, Atemmuskulatur und dem Erscheinungsbild des Brustkorbs besteht weiterhin; das Ziel sollte lediglich anders gefasst werden - weniger auf eine dauerhafte Umformung des Knorpels ausgerichtet, mehr auf mehr Komfort, eine unterstützte Haltung und ein gutes Zurechtkommen mit der bestehenden Anatomie. Diese Unterscheidung ist wichtig, damit Patientinnen und Patienten mit realistischen Erwartungen in einen Prozess starten - andernfalls können an den Ergebnissen der Wachstumsjahre orientierte Erwartungen zu Enttäuschung führen.

Der erste Schritt im Erwachsenenalter: eine korrekte Beurteilung

Wenn sich eine erwachsene Person mit Bedenken wegen abstehender Rippen vorstellt, besteht der erste Schritt darin zu klären, was das Erscheinungsbild tatsächlich widerspiegelt. In manchen Fällen handelt es sich um ein bereits bestehendes strukturelles Merkmal, das durch Gewichtsveränderungen oder Haltung sichtbarer geworden ist; in anderen Fällen kann eine ausgeprägtere Asymmetrie oder ein mit Pectus-Deformitäten verbundener Befund vorliegen. Diese Unterscheidung erfordert eine fachärztliche Untersuchung und bei Bedarf bildgebende Verfahren.

Bei der Beurteilung sind Fragen zu Schmerzen, dazu, ob sich das Erscheinungsbild mit der Zeit verändert hat, ob das Atmen beeinträchtigt erscheint und wie stark der Alltag betroffen ist, von Bedeutung. Diese Informationen sind entscheidend dafür, ob Beobachtung, konservative Unterstützung oder - selten - eine chirurgische Einschätzung der richtige nächste Schritt ist. Für manche Patientinnen und Patienten ist das Erscheinungsbild seit Jahren unverändert und die Hauptmotivation ist ästhetischer Natur; für andere steht eine zunehmende Asymmetrie oder ein Unwohlsein bei körperlicher Aktivität im Vordergrund - der empfohlene Weg kann sich für diese beiden Gruppen unterscheiden.

Konservative Optionen, die im Erwachsenenalter infrage kommen können

Konservative Ansätze im Erwachsenenalter konzentrieren sich meist auf Haltung, Atmung und Komfort. Übungen zur Kräftigung von Rumpf- und Schultergürtelmuskulatur können die Haltung so unterstützen, dass sich dies positiv auf das Erscheinungsbild des Brustkorbs auswirkt - dies sollte jedoch als postural beitragender Effekt und nicht als strukturelle Korrektur verstanden werden. Gewichtsveränderungen können das Erscheinungsbild auf ähnliche Weise beeinflussen, indem sie eher die Weichteilschicht über den Rippen als die zugrunde liegende Struktur selbst verändern.

Äußere unterstützende Produkte (Bandagen oder Orthesen) werden auch von manchen erwachsenen Patientinnen und Patienten in Betracht gezogen; ihre Rolle im Erwachsenenalter sollte jedoch anders gerahmt werden als bei der Anwendung im Wachstumsalter - eine Garantie für Umformung oder Korrektur kann nicht gegeben werden. Eine Gpad Rib Flare Orthese ist beispielsweise eine Option, die gemeinsam mit einer Fachärztin oder einem Facharzt mit dem Ziel von Komfort und Haltungsunterstützung in Betracht gezogen werden kann - ohne Aussage zu einer bestimmten Erfolgsquote; die Entscheidung sollte auf einer individuellen Beurteilung basieren.

Atemübungen und physiotherapeutische Ansätze kommen bei manchen Patientinnen und Patienten ebenfalls infrage; insbesondere Übungen, die Zwerchfell und Rumpfstabilisationsmuskulatur einbeziehen, können einen indirekten Beitrag zur Gesamthaltung des Brustkorbs leisten. Die Wirkung solcher Ansätze ist individuell unterschiedlich und wird in der Regel unter Anleitung einer Physiotherapeutin oder eines Physiotherapeuten geplant; ein eigenständig begonnenes, intensives Übungsprogramm führt nicht garantiert zum erwarteten Ergebnis.

Wann kommt eine Operation infrage

Eine chirurgische Beurteilung im Erwachsenenalter kommt in der Regel bei ausgeprägten funktionellen Beschwerden (etwa Atemnot oder Brustschmerzen) oder bei einer ästhetischen Beeinträchtigung infrage, die den Alltag deutlich beeinträchtigt. Dies ist nicht der Weg für jede erwachsene Patientin oder jeden erwachsenen Patienten, und die Entscheidung wird nach umfassender Untersuchung und Bildgebung gemeinsam mit der zuständigen Fachärztin oder dem Facharzt getroffen. Ziel dieses Beitrags ist nicht, diese Entscheidung zu treffen, sondern den allgemeinen Rahmen darzustellen - chirurgische Optionen und Eignungskriterien müssen anhand der individuellen Befunde gesondert fachärztlich beurteilt werden.

Wann eine Fachärztin oder ein Facharzt aufgesucht werden sollte

Wenn sich das Erscheinungsbild mit der Zeit verstärkt, Schmerzen hinzukommen, Atembeschwerden auftreten oder eine asymmetrische Entwicklung zu beobachten ist, ist der direkte Gang zu einer Fachärztin oder einem Facharzt ein sinnvoller Schritt. Welche Fachrichtung geeignet ist, hängt von den Befunden ab; Thoraxchirurgie, Orthopädie oder Physiotherapie können hierbei jeweils eine Rolle spielen.

Häufig gestellte Fragen

Können abstehende Rippen im Erwachsenenalter vollständig korrigiert werden?

Eine vollständige Korrektur kann nicht garantiert werden; dies hängt von der individuellen Anatomie, der Ursache des Erscheinungsbildes und dem gewählten Ansatz ab. Eine individuelle fachärztliche Beurteilung ist der wichtigste Schritt für realistische Erwartungen.

Helfen Bandagen oder Orthesen im Erwachsenenalter?

Bei manchen Patientinnen und Patienten können sie im Hinblick auf Komfort und Haltungsunterstützung in Betracht gezogen werden, jedoch sollte nicht dieselbe Umformungswirkung wie im Wachstumsalter erwartet werden. Die Entscheidung für die Anwendung sollte gemeinsam mit einer Fachärztin oder einem Facharzt getroffen werden.

Verschlechtert sich das Erscheinungsbild mit zunehmendem Alter?

Das ist individuell unterschiedlich; bei manchen Patientinnen und Patienten bleibt das Erscheinungsbild jahrelang stabil, bei anderen verändert sich die wahrgenommene Sichtbarkeit durch Gewicht, Haltung oder andere Faktoren. Bei einer deutlichen Verschlechterung ist der Gang zu einer Fachärztin oder einem Facharzt der richtige Schritt.

Wann sollte ich mir Sorgen machen?

Wenn sich das Erscheinungsbild rasch verändert, Schmerzen hinzukommen oder die Atmung beeinträchtigt ist, sollte ohne Verzögerung eine Fachärztin oder ein Facharzt aufgesucht werden. Ein seit Langem stabiles Erscheinungsbild ohne diese Anzeichen ist in der Regel kein Notfall; interessierte Patientinnen und Patienten können dennoch eine Beurteilung anfragen.

Fazit

Abstehende Rippen im Erwachsenenalter erfordern einen anderen Rahmen als die Beurteilung in den Wachstumsjahren: Da das Knorpelgewebe nun ausgereift ist, verschiebt sich das Ziel von einer 'Umformung' hin zu einem guten Zurechtkommen mit der bestehenden Struktur und, wo nötig, zur Unterstützung des Komforts. Der richtige erste Schritt ist immer eine fachärztliche Beurteilung; danach können konservative Unterstützungsoptionen (unter anderem Produkte wie die Gpad Rib Flare Orthese, sofern relevant) oder in seltenen Fällen eine chirurgische Einschätzung anhand individueller Befunde in Betracht gezogen werden. Entscheidend ist, mit einem altersgerechten, realistischen Rahmen vorzugehen und Entscheidungen gemeinsam mit einer Fachärztin oder einem Facharzt zu treffen.

Quellen

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