Werden Pectus-Orthese und Skoliose-Orthese gleichzeitig getragen? Der gemeinsame Umgang mit zwei Hilfsmitteln
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Fehlbildungen der Brustwand und Wirbelsäulenkrümmungen wirken auf den ersten Blick wie zwei völlig getrennte Themen, die zufällig in derselben Wachstumsphase auftreten – in der Fachliteratur werden sie jedoch gelegentlich gemeinsam betrachtet. Eine systematische Übersichtsarbeit, die untersucht hat, wie häufig eine adoleszente idiopathische Skoliose (AIS) bei Kindern und Jugendlichen mit Pectus-Deformität (Carinatum oder Excavatum) auftritt, fand eine höhere Skoliose-Rate als in der Allgemeinbevölkerung – in einem Teil der untersuchten Gruppen lag die Überschneidung bei bis zu einem von fünf Patienten [1]. Diese Überschneidung führt bei manchen Familien dazu, dass zwei verschiedene orthopädische Hilfsmittel gleichzeitig relevant werden – eine Pectus-Orthese und eine Skoliose-Orthese.
Auf unserer Seite haben wir bereits beschrieben, wie eine begleitende, leichte Skoliose bei einem Patienten überwacht wird, der bereits wegen einer Pectus-Deformität behandelt wird, und wie Familien beide Auffälligkeiten im Jugendalter zu Hause bemerken können. Dieser Beitrag geht einen Schritt weiter: Er befasst sich damit, was passiert, wenn tatsächlich beide Hilfsmittel gleichzeitig benötigt werden – eine an der Brustwand ansetzende Pectus-Orthese und eine an der Wirbelsäule ansetzende Skoliose-Orthese – und wie sich das im Alltag planen lässt.
Dieser Beitrag spricht keine individuelle Diagnose, keinen Trageplan und keine Reihenfolge für einen bestimmten Patienten aus; die hier genannten Informationen beruhen auf allgemeiner orthopädischer Praxis und veröffentlichter Literatur [1] [2] [3] [4]. Ob beide Hilfsmittel gemeinsam, nacheinander oder zu unterschiedlichen Tageszeiten getragen werden, kann ausschließlich der oder die behandelnde(n) Facharzt/Fachärzte anhand des individuellen Befunds entscheiden.
Warum können beide Orthesen gleichzeitig notwendig werden?
Pectus-Deformität und Skoliose entstehen beide in der Wachstumsphase, in der sich Brustkorb und Wirbelsäule gemeinsam formen, weshalb sie teilweise überlappende anatomische Bereiche betreffen. Die oben genannte höhere AIS-Rate bei Patienten mit Pectus-Deformität [1] zeigt, dass bei manchen Patienten beide Befunde tatsächlich gemeinsam beobachtet werden müssen. Das bedeutet nicht, dass der eine Befund den anderen verursacht – man geht eher davon aus, dass es sich um unterschiedliche Ausdrucksformen desselben Wachstumsprozesses handelt, die gemeinsam auftreten können.
In der klinischen Praxis bedeutet das in der Regel zwei getrennte Beurteilungen: ein Team, das die Brustwanddeformität begleitet (Thoraxchirurg, Kinderchirurg oder Orthopäde), und ein Team, das die Wirbelsäulenkrümmung begleitet (ebenfalls ein Orthopäde oder ein auf die Wirbelsäule spezialisierter Facharzt). Wann und wie lange jede Orthese getragen wird und mit welcher Priorität, ergibt sich erst aus der gemeinsamen Betrachtung beider Beurteilungen; eine Orthese ersetzt die andere nicht, und keine wird automatisch als vorrangig behandelt.
Diese Überschneidung frühzeitig zu erkennen, ist wichtig, weil sich sowohl die Pectus-Deformität als auch die Skoliose während eines Wachstumsschubs vergleichsweise schnell verändern können. Die Verordnung eines Hilfsmittels sollte nicht dazu führen, dass der andere Befund vernachlässigt wird; beide Zustände müssen nach ihrem eigenen Kontrollrhythmus und mit ihren eigenen Kriterien beurteilt werden – bei der Pectus-Deformität etwa Erscheinungsbild und Flexibilität der Brustwand, bei der Skoliose der Krümmungsgrad. Wenn Familien bei einem Facharzttermin auch den jeweils anderen Befund ansprechen, hilft das, den Behandlungsplan als Ganzes abzustimmen.
Wie wird der tägliche Gebrauch geplant?
Bei Skoliose-Orthesen beschreibt die Literatur einen Dosis-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Tragedauer und Behandlungsergebnis: Eine große randomisierte Studie zeigte, dass die Krümmungsprogression umso wirksamer kontrolliert werden konnte, je länger die durchschnittliche tägliche Tragedauer war [2]. Dieser Befund unterstreicht, dass eine Skoliose-Orthese am wirksamsten nach einem konsequenten, ärztlich empfohlenen Plan getragen wird und nicht nur gelegentlich – selbst wenn ein zweites Hilfsmittel hinzukommt, gilt es meist als vorrangig, den eigenen Tragplan der Skoliose-Orthese nicht zu unterbrechen.
Bei der Pectus-Orthese wird die tägliche Tragedauer dagegen individuell festgelegt, abhängig unter anderem von der Flexibilität der Brustwand, den Merkmalen der Deformität und dem Alter des Patienten. Werden beide Orthesen benötigt, erarbeiten Fachärzte häufig ein Schema, bei dem beide Hilfsmittel zu bestimmten Tageszeiten gleichzeitig getragen werden können – etwa außerhalb der Schulzeit, zu Hause –, während bei anderen Patienten ein getrenntes Tragen zu unterschiedlichen Tageszeiten sinnvoller ist. Welches Schema passt, ist vollständig individuell und kann bei Kontrollterminen erneut angepasst werden.
Beim Einstieg in eine neue Trageroutine – wie schon beim Beginn mit nur einem Hilfsmittel – wird üblicherweise eine schrittweise Steigerung empfohlen: Zunächst gewöhnt man sich mit kurzen Zeiträumen an das Hilfsmittel, anschließend wird die tägliche Tragedauer über einige Tage oder Wochen auf das Zielschema gesteigert. Werden beide Orthesen gleichzeitig neu eingeführt, muss diese Eingewöhnungsphase möglicherweise für jede Orthese einzeln und mit Geduld begleitet werden.
Komfort, Positionierung und Hautpflege
Wenn zwei Hilfsmittel nah beieinander am selben Körperbereich sitzen – Brustkorb und unterer Rumpf –, können sich Gurte und Pelotten berühren oder überlappen. Allgemeine Leitlinien zur Anwendung pädiatrischer Orthesen empfehlen, die Haut regelmäßig auf Rötungen oder Druckstellen zu kontrollieren, unter der Orthese ein sauberes, trockenes Unterhemd zu tragen und auf Lotionen oder Öle auf der Haut unter der Orthese zu verzichten [4]. Diese Empfehlungen wurden ursprünglich für ein einzelnes Hilfsmittel formuliert, gewinnen aber beim gleichzeitigen Tragen von zwei Orthesen zusätzlich an Bedeutung.
Wird eine Stelle bemerkt, an der sich die Orthesen berühren oder gegeneinander drücken, sollte dies dem oder den verordnenden Facharzt/Fachärzten mitgeteilt werden; oft reicht eine kleine Anpassung der Gurtposition, der Pelottengröße oder der Anziehreihenfolge aus. Allgemeine Leitlinien empfehlen zudem, eine Hautstelle, die länger als dreißig Minuten gerötet bleibt, nicht zu ignorieren, sondern dem behandelnden Facharzt zu melden [4].
Warum kann die Handhabung zweier Hilfsmittel die Therapietreue stärker fordern?
Die Therapietreue bei einer Orthesenbehandlung ist bereits bei einem einzelnen Hilfsmittel ein vielschichtiges Thema, das Alltag, Schul- und Sportroutinen sowie das psychosoziale Wohlbefinden betrifft. Eine Studie, die den Zusammenhang zwischen Lebensqualität, Schmerzen und Therapietreue bei orthopädischer Orthesenbehandlung untersuchte, zeigte, dass die tatsächliche Verträglichkeit des Hilfsmittels für den Patienten – nicht nur der verordnete Plan, sondern auch die tägliche Erfahrung des Patienten damit – ein wesentlicher Teil des Behandlungsprozesses ist [3].
Werden zwei Hilfsmittel gemeinsam getragen, wird diese Gleichung komplexer: An- und Ausziehen können länger dauern, die Reihenfolge, in der die Orthesen angelegt werden, muss unter Umständen zur Gewohnheit werden, und die Kleidungswahl muss so überdacht werden, dass sie beide Hilfsmittel bequem bedeckt. Deshalb gilt für Familien, die zwei Hilfsmittel gleichzeitig begleiten, ein teambasierter Ansatz – bei dem der die Brustwand betreuende Facharzt und der die Wirbelsäule betreuende Facharzt im Austausch stehen – als wertvoll, sowohl um die Therapietreue zu unterstützen als auch um mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen [3].
Pectuslab und Yuxel: zwei getrennte Produktfamilien, ein gemeinsamer Komfortansatz
Die Gpad-Orthesenfamilie von Pectuslab ist eine Pectus-carinatum-Orthese, die über vordere und hintere Pelotten zusammen mit einem verstellbaren Bügel und Gurten einen kontrollierten Druck auf die Brustwand ausübt; Pelottenvarianten und Gurteinstellungen können an die Anatomie des Patienten angepasst werden. Orthesen für die Wirbelsäule gehören nicht zum Produktsortiment von Pectuslab – dafür gibt es unsere separate Produktlinie, die Yuxel-Skoliose-Orthese; detaillierte Informationen finden Sie unter skolyozorteztedavisi.com.
Beide Produktfamilien teilen einen ähnlichen Gestaltungsanspruch: Komfort, Verstellbarkeit und die Möglichkeit, die Passform im Behandlungsverlauf anzupassen, damit das Hilfsmittel vom Patienten tatsächlich dauerhaft getragen werden kann. Das bedeutet nicht, dass eine Orthese „besser behandelt“ als die andere – beide Produkte zielen auf unterschiedliche anatomische Bereiche, werden aufgrund unterschiedlicher klinischer Entscheidungen verordnet und ersetzen einander nicht; nur der oder die behandelnde(n) Facharzt/Fachärzte können entscheiden, wann und wie welche Orthese eingesetzt wird.
Für Familien, die sich über beide Produktfamilien informieren möchten, ist es praktisch, jede über die jeweils passende Quelle kennenzulernen: Fragen zur Brustwand und zur Gpad-Orthesenfamilie können an Pectuslab gerichtet werden, Fragen zur Wirbelsäule und zur Yuxel-Skoliose-Orthese an skolyozorteztedavisi.com. Da beide Produkte bei ein und demselben Patienten relevant sein können, sind die Informationsquellen bewusst getrennt, aber aufeinander abgestimmt.
Häufig gestellte Fragen
„Muss ich beide Orthesen gleichzeitig tragen?“ Nein – das ist eine vollständig individuelle Entscheidung. Manche Patienten tragen beide Hilfsmittel zur gleichen Tageszeit gemeinsam, andere zu getrennten Zeiten. Den Trageplan legt der oder die behandelnde(n) Facharzt/Fachärzte fest.
„Wenn ich eine Orthese auslasse, wirkt sich das auf die andere aus?“ Die beiden Hilfsmittel wirken in der Regel unabhängig voneinander, und die Tragedauer des einen bestimmt nicht direkt das Ergebnis des anderen; dennoch ist es angesichts des in der Literatur beschriebenen Dosis-Wirkungs-Zusammenhangs wichtig, sich jeweils an den eigenen empfohlenen Trageplan zu halten [2].
„Es fühlt sich unangenehm an, wo sich die Orthesen berühren – ist das normal?“ Das ist ein häufiges Komfortproblem und lässt sich meist durch Anpassung von Gurten oder Pelotten lösen; hält das Unbehagen an, sollte es dem verordnenden Facharzt gemeldet werden [4].
„Beschleunigt das gleichzeitige Tragen beider Orthesen die Behandlung?“ Nein – beide Hilfsmittel zielen auf unterschiedliche Befunde ab und sind keine Kombination, die sich gegenseitig verstärkt oder beschleunigt. Jede Orthese hat ihre eigene klinische Begründung und ihren eigenen Kontrollplan.
Als Pectuslab konzentrieren wir uns auf Orthesen- und vakuumbasierte Behandlungsoptionen für Brustwanddeformitäten; bei Fragen zur Wirbelsäule verweisen wir gerne auf unsere separate Produktlinie Yuxel. Wird Ihr Kind gleichzeitig mit zwei unterschiedlichen Hilfsmitteln begleitet, besteht der sinnvollste nächste Schritt darin, gemeinsam mit den jeweils zuständigen Fachärzten – dazu können je nach Befund Thoraxchirurg, Kinderchirurg, Orthopäde oder Physiotherapeut gehören – den täglichen Tragplan für beide Orthesen abzustimmen.
Quellen
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