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Wird Pectus Excavatum mit dem Alter schlimmer? Behandlungsoptionen für Erwachsene

vor 1 Stunde
6 Min. Lesezeit

Pectus excavatum – eine strukturelle Veränderung, bei der Brustbein und Rippenknorpel nach innen einsinken – galt lange als reines Thema der Kindheit. Doch dieses Bild verändert sich. Eine umfassende Übersichtsarbeit für Hausärzte zeigt, dass sich Pectus excavatum über das Leben hinweg sehr unterschiedlich zeigen kann: Manche Patienten bemerken erste Beschwerden während des pubertären Wachstumsschubs, in einer untersuchten Gruppe berichteten jedoch 36 % der erwachsenen Patienten von neuen Symptomen nach dem 20. Lebensjahr, und über 53 % bemerkten eine Verschlechterung nach dem 18. Lebensjahr [1].

Dieser Befund stellt die Annahme infrage, Pectus excavatum sei ein rein kindliches Thema, das sich im Erwachsenenalter erledigt hat. Laut derselben Übersichtsarbeit suchen viele erwachsene Patienten zunächst nicht wegen des äußeren Erscheinungsbilds ärztlichen Rat, sondern wegen Müdigkeit, verminderter Belastbarkeit oder Brustbeschwerden, die sich mit 30 oder 40 Jahren bemerkbar machen [1]. Die eigentliche Frage lautet also nicht einfach "wird Pectus excavatum mit dem Alter schlimmer", sondern differenzierter: Warum werden die Auswirkungen bei manchen Patienten erst später im Leben deutlich spürbar?

Ob ein konservativer oder operativer Ansatz für Erwachsene geeignet ist, sollte gemeinsam mit einem Facharzt geklärt werden.

In diesem Beitrag geht es darum, wie sich Pectus excavatum typischerweise über die Lebensspanne verändert, warum Symptome bei manchen Erwachsenen erstmals auftreten und welche Behandlungsoptionen jenseits der Kindheit realistisch sind. Ziel ist keine feste Prognose oder die Behauptung, es werde "ab einem bestimmten Alter garantiert schlimmer" – sondern eine verständliche Darstellung dessen, was die Literatur tatsächlich zeigt.

Kindheit und Pubertät: Der Zusammenhang mit dem Wachstumsschub

Pectus excavatum wird meist schon im Säuglingsalter bemerkt, wird aber häufig erst während des pubertären Wachstumsschubs deutlich sichtbarer. Da Brustkorb und Knorpelgewebe in dieser Phase rasch wachsen, kann eine zuvor leichte Einsenkung deutlich auffälliger werden; was Familien oft als plötzliche Verschlechterung beschreiben, ist meist ein über Jahre gewachsener Prozess, der in der Pubertät sichtbar wird.

Aus diesem Grund verschieben die meisten Zentren die Entscheidung für eine Operation lieber auf die Zeit nach der Pubertät, statt bereits im frühen Kindesalter zu operieren [1]. Konservative Ansätze wie die Gvacuum Vakuumglocke – ein Gerät, das kontrollierten äußeren Unterdruck auf die Brustwand ausübt – werden vor allem in Altersstufen mit noch hohem Wachstumspotenzial und flexiblerem Rippenknorpel in Betracht gezogen; die Literatur berichtet von den konsistentesten Ergebnissen bei Kindern unter 11 Jahren, wobei der erwartete Nutzen mit zunehmendem Alter abnehmen kann [1].

Eine häufige Frage an dieser Stelle: Bildet sich ein in der Kindheit mild gebliebenes Pectus excavatum nach Abschluss des Wachstums von selbst zurück? Die Literatur zeigt, dass sich die strukturelle Form des Brustkorbs nach Wachstumsabschluss in der Regel nicht mehr von selbst wesentlich verändert; was sich danach eher verändert, ist die Flexibilität der Brustwand und die damit verbundenen Auswirkungen – das Thema des nächsten Abschnitts.

Erstmals im Erwachsenenalter auftretende Beschwerden

Manche Erwachsene hatten als Kind eine leichte Asymmetrie oder Einsenkung des Brustkorbs, die nie weiter abgeklärt wurde. Jahre später, oft mit 30 oder 40, wird das Thema wieder aktuell, wenn sie wegen belastungsabhängiger Müdigkeit, Atemnot oder Brustbeschwerden ärztlichen Rat suchen [1][2].

Eine Studie an Patienten über 50 zeigt, dass ein erheblicher Teil dieser Fälle zunächst falsch eingeordnet wurde. In dieser Untersuchung an 42 symptomatischen älteren Patienten begannen die Beschwerden bei rund 45 % erst mit 40 oder 50 Jahren, und bei 63 % wurden sie zunächst als "ungeklärte kardiovaskuläre Beschwerden" eingestuft [2]. Müdigkeit oder Herzklopfen, die mit Pectus excavatum zusammenhängen können, werden also bis zur richtigen Diagnose oft mit etwas anderem verwechselt – manchmal nach jahrelangen Abklärungen in anderen Fachrichtungen.

Warum wird die Brustwand mit dem Alter steifer?

Ein durchgängiger Befund in der Literatur: Der Brustkorb verliert mit dem Alter an Flexibilität. Dieselbe Studie an älteren Patienten berichtet, dass der Körper mit zunehmender Versteifung der Brustwand einen Teil seiner früheren Kompensationsfähigkeit – etwa durch eine leichte seitliche Verlagerung – gegenüber dem Druck auf das Herz verliert [2]. Eine aktuelle chirurgische Übersichtsarbeit zeichnet ein ähnliches Bild: Mit zunehmendem Alter könne die Brustwand an Flexibilität verlieren, was zu einer Zunahme der Symptome führen könne [3].

Praktisch bedeutet das: Pectus excavatum selbst verschlechtert sich nicht zwangsläufig bei jedem Patienten, aber die mit dem Alter zunehmende Steifigkeit der Brustwand kann zuvor unauffällige Effekte deutlicher spürbar machen. Dieselbe Übersichtsarbeit berichtet, dass bei fast der Hälfte der erwachsenen Patienten Symptome erstmals im 4. oder 5. Lebensjahrzehnt (also mit 30 oder 40 Jahren) auftreten [3]. Das ist keine absolute Aussage, dass "Pectus excavatum mit dem Alter immer schlimmer wird" – aber ein Muster, das ernst genommen werden sollte.

Dieser Versteifungsprozess variiert stark von Person zu Person. Allgemeiner Gesundheitszustand, Haltungsgewohnheiten, die generelle Flexibilität des Bewegungsapparats und eine begleitende Wirbelsäulen- oder Brustkorbveränderung können dazu führen, dass zwei gleichaltrige Patienten sehr unterschiedliche Verläufe zeigen. Deshalb lässt sich nach aktuellem Stand der Literatur keine für alle geltende Altersgrenze oder ein fester Zeitrahmen angeben.

Behandlungsoptionen im Erwachsenenalter: Konservativ oder operativ?

Bei einem erstmals im Erwachsenenalter untersuchten Pectus-excavatum-Patienten werden die Behandlungsoptionen anders abgewogen als in der Kindheit. Konservative Ansätze wie die Gvacuum Vakuumglocke können bei jüngeren Erwachsenen mit noch relativ flexibler Brustwand weiterhin in Betracht gezogen werden; die Literatur macht jedoch deutlich, dass diese Geräte ihre stärkste Wirkung in jüngeren Altersgruppen zeigen und der erwartete Nutzen mit zunehmender Versteifung der Brustwand abnehmen kann [1]. Deshalb kann keine einzelne Methode für jeden erwachsenen Patienten dasselbe Ergebnis versprechen – welcher Ansatz geeignet ist, hängt von der Flexibilität der Brustwand, dem Schweregrad der Fehlbildung und den Prioritäten des Patienten ab und sollte gemeinsam mit einem Facharzt festgelegt werden.

Auf chirurgischer Seite wird die minimalinvasive Korrektur (Nuss-Verfahren) – früher fast ausschließlich Kindern und Jugendlichen vorbehalten – inzwischen auch bei Patienten bis ins siebte Lebensjahrzehnt erfolgreich eingesetzt [3]. Da die Brustwand Erwachsener meist stärker verkalkt und starrer ist, gilt der Eingriff als technisch anspruchsvoller als bei Kindern; Erwachsene benötigen häufig 2–3 statt einer Stange, und die Stangen verbleiben in der Regel länger (etwa 3 bis 3,5 Jahre) im Körper als bei Kindern [3]. In ausgewählten Fällen – etwa bei ausgeprägter Asymmetrie oder gleichzeitigem Pectus carinatum – wird weiterhin die offene Operation in Betracht gezogen [3].

Wichtig ist eine Unterscheidung: Konservative und operative Optionen sind keine direkten Alternativen zueinander, sondern passen zu unterschiedlichen Patientenprofilen. Bei einem jungen Erwachsenen mit mittelgradiger Fehlbildung und noch relativ flexibler Brustwand kann ein konservativer Versuch sinnvoll sein, während bei einer deutlich versteiften Brustwand mit messbarer Belastung von Herz und Lunge eine chirurgische Abklärung eher im Vordergrund steht. Diese Unterscheidung zu treffen, ist genau die Aufgabe einer persönlichen fachärztlichen Untersuchung.

Häufig gestellte Fragen

Bildet sich Pectus excavatum im Erwachsenenalter von selbst zurück? Laut Literatur nein; die strukturelle Form der Brustwand verändert sich nach Abschluss des Wachstums in der Regel nicht mehr wesentlich von selbst. Was sich mit dem Alter eher verändert, ist die Flexibilität der Brustwand und die damit verbundenen Auswirkungen, nicht die Form selbst.

Ist die Gvacuum Vakuumglocke im Erwachsenenalter noch eine Option? Ja, aber die Erwartungen sollten anders gesetzt werden als in der Kindheit. Die Literatur berichtet vom stärksten Effekt bei jüngeren Altersgruppen mit flexiblerer Brustwand, wobei sich der Nutzen mit zunehmendem Alter verändern kann [1]; ein Versuch mit der Gvacuum Vakuumglocke im Erwachsenenalter sollte daher mit realistischen Erwartungen und fachärztlicher Begleitung angegangen werden.

Muss ein beschwerdefreier Erwachsener, der sich nur am Erscheinungsbild stört, dringend handeln? Nein; ohne Anzeichen wie belastungsabhängige Müdigkeit, Atemnot, Herzklopfen oder Brustschmerzen liegt keine Notfallsituation vor. Eine Abklärung kann dennoch sinnvoll sein, um die vorhandenen Optionen kennenzulernen und eine mögliche Belastung von Herz und Lunge auszuschließen.

Wann sollte man einen Facharzt aufsuchen?

Eine im Erwachsenenalter bemerkte oder erneut deutlicher gewordene Einsenkung der Brustwand ist für sich genommen kein Notfall – treten jedoch belastungsabhängige Müdigkeit, Atemnot, Herzklopfen oder Brustschmerzen hinzu, sollte die Abklärung nicht aufgeschoben werden. Welche Fachrichtung die richtige erste Anlaufstelle ist, hängt vom jeweiligen Befund ab – Thoraxchirurgie, Orthopädie, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie bei belastungsabhängigen Beschwerden die Kardiologie können bei dieser Abklärung gemeinsam eine Rolle spielen.

Pectuslab konzentriert sich auf nicht-operative, konservative Lösungen – Vakuumglocken-Therapie und Orthesen – für Brustwandveränderungen wie Pectus excavatum und Pectus carinatum. Ob ein konservativer oder ein operativer Ansatz für einen erwachsenen Patienten geeignet ist, lässt sich nur durch eine individuelle Untersuchung klären; die Informationen in diesem Beitrag bieten einen allgemeinen Rahmen, keine persönliche Behandlungsempfehlung.

Zusammengefasst: Pectus excavatum verschlechtert sich nicht bei jedem Erwachsenen automatisch – aber die mit dem Alter abnehmende Flexibilität der Brustwand kann bei manchen Patienten zuvor unbemerkte Effekte deutlicher hervortreten lassen. Ob erstmals im Erwachsenenalter bemerkt oder seit der Kindheit bekannt: Der richtige nächste Schritt bleibt derselbe – Beschwerden ernst nehmen und sich von der passenden Fachrichtung untersuchen lassen.

Quellen

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